Schwert und Zauberei
Der „historische Kern" der magischen Schwerter
Schwertmythos und historische Wirklichkeit 
 
Sie sind weder aus alten Sagen des nördlichen Europas noch aus modernen „heroischen" Fantasy-Geschichten wegzudenken: die Wunderschwerter . Geschaffen von zauberkundigen Schmieden, mit magischen Eigenschaften versehen - Helden und Schurken kämpfen mit ihnen auf wahrhaft übermenschliche Weise um überlebensgroße Ziele. Das Schwert ist in den Sagen keltischer und germanischer Herkunft, in der mittelalterliche Ritterdichtung, in historischen Abenteuerromanen und in der Fantasy DIE Waffe schlechthin. Bis in die Neuzeit hinein war das Schwert (oder der Degen oder Säbel) das Symbol des „edlen und wehrhaften Mannes". Die historische Wirklichkeit sah anders aus: Zu keiner Zeit war das Schwert militärisch so bedeutend wie in den alten und neuen Legenden.
In der Bronzezeit war das Schwert, vor allen das Langschwert, eine reine Luxuswaffe - selbst gute Bronzelegierungen sind für lange, dünne Klingen im Grunde genommen zu spröde und weich. Sicher, bronzene Dolche und Kurzschwerter wurden auch im Kampf benutzt, aber die eleganten langen Griffzungenschwerter beispielsweise waren viel zu zerbrechlich, um einem massiven Kampfeinsatz lange standhalten zu können. Da die Legierungsbestandteile Zinn und Kupfer relativ seltene Metalle waren und oft von weither beschafft werden mußten, waren Bronzewaffe allerdings sehr kostbar. Schon allein deshalb waren Schwerter die Waffen der „Edlen", Abzeichen von Macht und Wohlstand. Wer ein Bronzeschwert trug, demonstrierte damit seinen Reichtum, auch wenn es zum Kampf wenig taugte. Die üblichen Waffen der Bronzezeit waren Speer, Streitaxt, Streitkolben, Steinschleuder und Bogen.
In Inneranatolien, bei den Hethitern im Bergland nördlich Mesopotamiens, wurde schon um 1500 v. u. Z. Eisen gewonnen. Es war jedoch nicht einfach, aus dem revolutionären Metall auch wirklich harte Werkzeuge und scharfe Waffen zu schmieden - deshalb verbreitete sich der Eisengebrauch zunächst nur zögernd. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, daß sich das Eisen erst während der „dunklen Jahrhunderte" zwischen 1200 und 800 v. u. Z. ausbreitete. Klimaverschlechterungen und Völkerwanderungen löschten viele frühe Hochkulturen - von der nordischen Bronzezeit über das frühgriechische Mykene bis zum Hethiterreich - aus und schwächten andere, wie Ägypten, erheblich. (Daß auch das schon lange Eisen nutzende Hethierreich vernichtet wurde, widerlegt übrigens die populäre Vermutung, daß Eisenwaffen in der Hand von „Barbaren" den Sturz der alten Kulturen, die nur Bronze kannten, herbeigeführt hätten.) Um 1000 v. u. Z. findet sich Eisen nicht nur in Mesopotamien, sondern auch in Ägypten, im Industal, in China und nach neuen Funddatierungen sogar in Schweden. Die Eisenzeit hatte endgültig begonnen!
Mit der Eisenzeit entstand ein neuer Mythos: der des zauberkundigen Schmiedes . Bronzeschmiede waren gute, geachtete Handwerker. Die Eisengewinnung dagegen war ein überaus geheimnisvoller Prozeß: hier wurde aus „wertlosem Dreck" (Raseneisenerz) wertvolles Metall - die für den nicht Eingeweihten unbegreifliche Verwandlung von einer Art Materie in eine andere. Schon die Schmiede war ein unheimlicher Ort: rußgeschwärzte Gestalten, das Fauchen der Blasebälge, die stiebenden Funken, die ungeheuer heiß brennenden Feuer. Sie waren das irdische Abbild der unterirdischen Welt des hinkenden Schmiedegottes Hephaistos.

Mit dem vergleichsweise „billigen" Eisen gelangen Metallwerkzeuge und -Waffen erstmals auch in die Hände „einfacher Leuten". Das Schwert blieb aber nach wie vor „Luxuswaffe" der „Edlen", denn für einen Streitkolben reichte schon Roheisen aus, ein brauchbares Schwert erforderte kunstfertige Bearbeitung und bestand aus einer härtbaren Eisenlegierung, für die wir nicht zufällig ein eigenes Wort haben: Stahl.

„Eisenzeit" heißt im nördlichen und westlichen Europa faktisch „Keltenzeit" . Schon die „Hallstattkultur", die von 800 bis 450 v. u. Z. blühte, war keltisch. Die „klassische" keltische Kultur war allerdings erst die spätere „La-Tène-Kultur", die sich seit etwa 500 v. u. Z. über weite Räume Europas ausbreitete. Auch die germanischen Völker des Nordens und die protoslawischen Völker Osteuropas waren, was die Eisenbearbeitung anging, keltischen Vorbildern verpflichtet. Obwohl die Kelten gut die Hälfte Europas beherrschten, schienen sie einen gewissen Widerwillen gegen die Gründung größerer Staatsgebilde gehabt zu haben. Clans und kleine Stämme, die in einer fast rituellen Dauerfehde lagen, bestimmten das Leben -  und machten es später politisch geschickten Eroberern leicht. In solch einer Kultur der Kleinkriege hatte der mutige Einzelkämpfer natürlich mehr Gewicht als in den Massenheeren z. B. der Griechen, Perser, Karthager oder Römer. Damit gewannen seine persönlichen Waffen - also auch sein Schwert - an Bedeutung. Bei den Kelten entwickelte sich ein wahrer Schwertkult.
Wer ein Schwert trug, demonstrierte damit, daß er Herr über sich selbst und seine Entscheidungen war. Das Schwert war ein Symbol der Freiheit - und das Symbol der Macht. Schwerter wurden oft ihrem Besitzer ins Grab gegeben. Manche Schwerter waren dagegen „Familieneigentum" und wurde von Generation zu Generation vererbt. Selbstverständlich war eine „freie Frau" bei den Kelten (und den Germanen) ebenfalls bewaffnet - meistens mit einem Dolch, aber Frauen mit Macht trugen auch Schwerter, wie Grabbeilagen verraten. Zum Beispiel wurde im frühmittelalterlichen Gräberfeld von Niederstrotzingen - nicht groß, aber überdurchschnittlich reich an Waffen- und Panzerbeigaben - auch eine schwerbewaffnete Frau gefunden. Schwerter erhielten Eigennamen und sie wurden den Göttern geweiht. Mit keltischen Schmieden und Händler und durch den mal friedlichen, mal kriegerischen Kontakt mit ihren Nachbarn sickerte keltisches Gedankengut in die germanische Kultur ein. Es gab z. B. am Niederrhein offenbar Stämme, deren materielle Kultur keltisch, deren Sprache und Sitten jedoch germanisch waren. Da immer mehr Germanen in den früher keltischen Raum des heutigen südlichen Deutschlands einsickerten, kam es zu einer gewissen Kulturverschmelzung. Die keltische Schwertfreudigkeit ging wie manches andere auf die Germanen über. (Die „kelto-germanische Urkultur Europas" ist allerdings ein moderner Mythos!)

Im Laufe der Jahrhunderte entstanden nicht nur immer bessere Waffen, sie wurden auch in immer größerer Stückzahl gefertigt. Im Römischen Reich gab es eine regelrechte Rüstungsindustrie. Nun erst wurde das Schwert zur allgemein verbreiteten Waffe. Jeder der bis zu 900.000 römischen Legionäre trug ein Kurzschwert, das „Gladius". Das viel aufwendiger herzustellende Langschwert, „Spatha" genannt, blieb allerdings nach wie vor den „Vornehmen" (Offizieren) und den Elitetruppen vorbehalten. Die Schwerter aus „Massenproduktion" und die verbesserten Hütten- und Schmiedeverfahren breiteten sich auch über die Grenzen des römisches Reiches aus.
Zurück zu den Sagen und Legenden. Viele schwertfreudige Sagen dürften in der Tat „uralt" sein und stammten aus dem keltischen und germanische Raum - wobei sich „keltische" und „germanische" Herkunft nicht immer sauber trennen läßt. Das „große Zeitalter der europäischen Sagendichtung" begann allerdings erst viel später.
Fast alle der „großen" Sagen spielen in der Völkerwanderungszeit bzw. der Übergangszeit zwischen Antike und Mittelalter. Nibelungenlied , Gudrun , die Sagen um Dietrich von Bern (Theoderich), Wolfdietrich , aber auch der Zyklus um den Britenkönig Artus (oder Arthur) und viele andere mehr beruhen auf historischen Ereignissen, die zwischen ca. 375 und ca. 575 stattfanden. Die ungünstige Quellenlage begünstigte die Legendenbildung genau so wie die weitreichenden historischen Folgen der damaligen Ereignisse. Der permanente Kriegszustand führte dazu, daß sich eine Kriegeraristokratie etablierte, die ihre Taten allzugerne verherrlichen ließ. Als diese Sagen nach Jahrhunderten der mündlichen Weitererzählung im Hochmittelalter (etwa ab 1100) aufgeschrieben wurden, mischte sich ihr „historischer Kern" mit älteren Sagen. So ging die germanische Sage um Sigurd, den Drachentöter, als „Siegfried" in die Nibelungensage ein und alte keltische Überlieferungen hinterließen ihre Spuren in der Artussage. Außerdem projizierten die Sagendichter Geisteshaltungen ihrer Zeit, wie die Ideale der Ritterlichkeit und den christlichen Glauben, auf die längst vergangenen Ereignisse. Der „typische" Held dieser Sagen ist der „edle Krieger", in dem sich durchaus widersprüchliche Eigenschaften vereinen - Plünderer, skrupelloser Eroberer, jähzorniger Rächer, Beschützer der Schwachen und Verteidiger des Glaubens und der Zivilisation in einer Person. 
Und natürlich hat jeder dieser Helden sein Wunderschwert, nach altem keltischen Brauch mit Namen versehen: Wieland „Mimung", Wolfdietrich „Rose", Siegfried „Balmung", Dietrich „Nagelring" und König Arthur „Caliburn", das berühmteste aller Sagenschwerter (in späterer Dichtung „Excalibur" genannt).
In den meisten Heldensagen des klassischen Altertums sind Schmiede, so sehr sie auch respektiert wurden, bloßes „Hilfspersonal", das die Helden mit Waffen zu versorgen hat. Anders in einigen mittelalterlichen Sagen germanischen Ursprungs, in denen der Held selber Schmied ist: Sigurd, Wittich und natürlich Wieland sind Schmiede. Einigen Sagen zufolge wurden Königssöhne von Schmieden erzogen, in anderen Fällen hatten Schmiede Priester- und Heilerfunktionen. Dieser große Respekt vor den „rußigen Gesellen" ist ungemein typisch für das nördliche Europa des beginnenden Mittelalters. In der antiken Gesellschaft verachtete die herrschende Klasse bloße Handarbeit. Ähnlich verächtlich blickte der Adel im feudalen Mittelalter auf Handwerker herab: Man schätzte zwar ihre Geschicklichkeit, aber es wäre undenkbar gewesen, daß ein Handwerker die Tochter auch nur eines niederen Adligen geheiratet hätte, oder daß ein verarmter Ritter sich mit seiner Hände Arbeit durchgeschlagen hätte.

Anders in der Völkerwanderungszeit. In ihr brach nicht nur das Weströmische Reich und die hochentwickelte spätantike Zivilisation in Westeuropa zusammen. Auch die eigene traditionelle Kultur der „Eroberervölker" hielten den veränderten Bedingungen oft nicht stand. (Anders ausgedrückt: Sie waren nicht deshalb kriegerisch, weil sie so „barbarisch" waren, sondern sie fielen durch die langen Kriegszüge fern der angestammten Heimat in die „Barbarei" zurück.) Bildung, Jurisdiktion, Technik, Kunst, Wissenschaft - all das hatte in den kleinen „Kampf- und Überlebensgemeinschaften", die in Westeuropa das Bild bestimmten, kaum noch Platz. Auf einen „Techniker" konnte man, wenn man die kriegerische Zeit überstehen wollte, allerdings nicht verzichten: auf den Schmied. So bewahrten Schmiede nicht nur das handwerkliche Können des Altertums, sondern, quasi nebenbei, auch viele andere „alte Geheimnisse". Es gab auch noch einen ganz handfesten Grund, Schmiede zu schätzen. Ein guter Schmied mußte zugleich kräftig, geschickt und intelligent sein - er war damit nicht nur der Handwerker, der dem Krieger sein Schwert schmiedet, sondern auch er selber war auch mitunter selber Krieger von nicht zu unterschätzendem Wert.

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Eisengewinnung im Altertum und frühen Mittelalter
Eisen wurde lange Zeit fast nur aus Rasenerz oder Sumpferz gewonnen, sogenannten sekundären Erzlagern . Erz aus primären Lagern, „Bergerz", spielte kaum eine Rolle. Rasen- und Sumpferz findet sich in Gegenden mit stark eisenhaltigen Böden („rote Erde"). Es lagert sich in stark humosen, moorigen bis anmoorigen Flächen in der „Ortsteinschicht" in ca. 30-40 cm Tiefe der Form von Hämatit (Roteisenstein, Fe2O3) und Limonit (Brauneisenstein, Ocker, FeO(OH) ) ab und konnte sehr einfach abgebaut werden.
Der Nachteil war allerdings, daß diese Erze sehr „mager" sind, nach heutigen Begriffen sind sie nicht abbauwürdig. Verhüttet wurde bis in die Neuzeit ausschließlich mit Holzkohle. Daraus ergeben sich die typischen Merkmale der „alten Eisengegenden": mäßig hohe, stark bewaldete Gebirge, sumpfige Täler und „rote Erde". Die Wasserkraft für mechanisch betriebene Blasebalge und Schmiedehämmer war erst später von Bedeutung. Verglichen mit der Gewinnung von Zinn oder Kupfer mußte ein erheblich höherer Aufwand betrieben werden: Eisen schmilzt erst bei 1535 Grad Celsius. Allerdings erfolgt die Reduktion von Eisenerz zu Eisen schon bei ca. 1100 Grad, erfordert aber ein im Vergleich zur Kupfer- oder Zinnschmelze ausgeklügeltes Verfahren.
Die primitivste Form des Eisenschmelzofens ist der Napf- oder Schüsselofen . Er kam um 1400 v. u. Z. in Anatolien auf und war in abgelegenen Gegenden bis ins Mittelalter im Gebrauch, obwohl der Ertrag an Eisen nur gering war. Ein typischer Napfofen der Eisenzeit durchmaß etwa 1 - 1,5 m und war etwa 45 - 50 cm tief. Dieser Napf war mit Holzkohle und Lehm gefüttert. Das zerkleinerte und gereinigte Erz wurde zunächst bei 800 Grad und starker Luftzufuhr geröstet, d. h. die nichtoxidischen Bestandteile des Erzes wie Pyrit und Eisenspat wurden in Oxide überführt und organische Bestandteile verbrannt, bevor das Erz geschmolzen wurde. Schon zu dieser frühen Zeit wußte man also, daß sich durch Aufbereitung der Erze die Ausbeute erhöhen ließ. Zum Schmelzen wurde die unten im Napf liegende Holzkohle angezündet und das Erz an einer Seite des Ofens gepackt. Während des Schmelzens wurde das Erz durch Kohlenmonoxid, das in den teilweise „abgedeckten" und somit bei Sauerstoffunterschuß brennenden Holzkohleschichten entstand, zu Eisen reduziert.

So ein Napfofen faßte nur etwa 2 kg Erz und lieferte bei sehr gutem Erz maximal etwa 0,4 kg Roheisen - und jede Menge Schlacke. Er fraß außerdem Unmengen an Holzkohle. So gesehen ist es kein Wunder, daß bei den Kelten der La Tené Zeit und den Mittelmeerkulturen schon früh ein erheblich leistungsfähigeres Verfahren aufkam: das „Rennfeuer" im „Schachtofen".
Diese Öfen waren zylindrisch bis konisch, wodurch der Schornsteineffekt des Schachtes für eine bessere Luftzufuhr sorgte. Der Ofenmantel bestand in der Eisenzeit aus gestampftem Lehm, bei den Römern und im frühen Mittelalter kamen gemauerte Öfen in Gebrauch. Zunächst wurden die Öfen gut vorgeheizt und von oben her schichtweise mit Holzkohle und dem aufbereitetem und zu etwa haselnußgroßen Brocken zerkleinerten Erz beschickt. Das Feuer wurde während vieler Stunden durch den natürlichen Zug des Schachtes und durch Luftzufuhr durch Blasebälge in Betrieb gehalten. Im unteren Bereich des Schachtofens entstand bei Sauerstoffunterschuß Kohlenmonoxid, das in das Ofenzentrum aufstieg. Im Ofenzentrum fiel bei Temperaturen zwischen 1050 und 1150 Grad das weißglühende, aus dem Erz durch das Kohlenmonoxid reduzierte Eisen ohne selbst zu schmelzen aus. Es bildete in dem zähflüssigen, aus den Beimengungen der Erze entstandenen Schlackenbrei kleinere und größere Eisenklumpen. Diese noch mit Schlacketeilchen durchsetzten „Luppenstücke" sammelten sich vorwiegend in den oberen Zonen der großen Schlackenkuchen („Ofensau").

Damit das Rennfeuer ordnungsgemäß abbrennen konnte, mußten regelmäßig Teile der zähflüssigen Schlacke aus dem unteren Teil des Ofens abgeleitet („abgestochen") werden. Dafür gab es mehrere Verfahren.
Bei „Grubenöfen" lag unter dem Ofen eine Schlackengrube, die mit einem Stopfen aus Stroh vom Ofenschacht abgeschlossen war. Dieser Stopfen wurde entweder durch Holzstöcke oder einem auf dem Boden der Grube stehenden Tonzylinder gehalten. Der Stopfen hielt die Schlacke so lange auf, bis sie das Stroh durchgebrannt hatte. Dann floß die Schlacke in die Grube ab, das Eisen blieb zum Teil an den Schachwänden hängen oder fiel mit der Schlacke nach unten. Der Vorteil dieser Bauweise lag darin, daß kein Mensch in die Nähe der glühenden Schlacke kommen mußte. Der Nachteil: der Ofen mußte nach jeder Beschickung vollständig abgebaut werden, er war sozusagen ein „Einwegofen".
Durchgesetzt hat sich schließlich die Bauform mit einem Abstichloch an der Ofenbasis, durch das die Schlacke bei Bedarf abgeleitet werden konnte. Die Kelten konnten mit solchen Schachtöfen sogar Temperaturen bis zu 1400 Grad erreichen, wie Experimente mit Nachbauten zeigten.

 
I. Napfofen, frühe Eisenzeit
a) Beschickt : 1 . Luftzufuhr, 2. zerkleinertes Erz, 3. Holzkohle.
b) Nach dem Verhütten:1. reduziertes Erz, 2. Eisen, vermischt mit Schlacke, 3. Schlacke.

II. Schachtofen mit Schlackengrube (vor dem Verhütten) 
1. zerkleinertes Erz, 2. .Holzkohle,  3. Luftzufuhr,  4. Stroh (als Stopfen, brennt beim Verhütten durch ), 5. Schlackengrube

III. Schachtofen mit Abstichloch  (während des Verhüttens)
1. gemauerter Ofenmantel, 2. Sandbettung,  3. Holzkohle, 4. Erz, 5. Ofensau,
6. Mantelschlacke, 7. Zuluft (Wind oder Blasebalg),  8. Laufschlacke (abgestochen)

Eisengewinnung
Nachdem der Rennprozeß abgeschlossen war, mußte der Ofen teilweise demontiert werden, um aus den Schlackenklötzen die Luppenstücke ausbrechen zu können. Die Luppen wurden durch wiederholtes Erhitzen in Ausheizherden und durch Hämmern auf dem Amboß von Schlackenbeimengungen gereinigt und zusammengeschweißt.
Wie die frühmittelalterliche Eisenindustrie ausgesehen hat, läßt beispielsweise an den gut erhaltenen Hüttenplätzen von Mösstrand in Westnorwegen, in der Wikingerzeit einem bedeutende Zentrum der Eisengewinnung, erkennen. Hier gab es mindestens 160 Hütten - in doppelter Wortbedeutung: Einfach gebaute, ca. 10 m lange und 4 m breite Häuser, die in zwei Räume geteilt waren. Der kleinere, mit steinbelegter Feuerstelle, diente als Wohnraum, der größere war die eigentliche Schmelzhütte mit drei Öfen, den Behältern für Erz und Kohle und den verschiedenen Werkzeugen. Die Öfen waren relativ kein, sie hatten einen Durchmesser von nur etwa einem Meter. Von den drei Öfen war vermutlich nur jeweils einer in Betrieb. 
Für ihre Größe hatten diese Öfen eine hohe Kapazität, sie arbeiteten auch erstaunlich effektiv, so daß man Eisenklumpen mit einem Gewicht von bis zu 13 kg gefunden hat. Auch die Qualität des Roheisens war überraschend gut. Experimente mit nachgebauten Schachtöfen zeigten, daß die Öfen für einen Arbeitsgang wahrscheinlich 24 Stunden lang beschickt worden waren. Für einen Eisenklumpen von ca. 13 kg wurden 35 kg Eisenerz benötigt - und, obwohl diese Öfen weitaus sparsamer arbeiteten als die primitiven Napföfen, immerhin 45 kg Holzkohle.
Die Holzkohle wurde direkt im Wald in einfachen Meilern gewonnen, in denen trockenes Holz aufgeschichtet und fast luftdicht mit Torf und Grassoden abgedeckt und dann angezündet wurde. Durch die geringe Sauerstoffzufuhr verbrannte das Holz nicht, es verschwelte, wobei ihm alle flüchtigen Bestandteile entzogen wurden; es blieb fast reiner Kohlenstoff zurück. Der enorme Holzkohlebedarf der Eisenhütten führte dazu, daß ganze Landstriche entwaldet wurden.
In der Römerzeit gab es bereits wesentlich größere Schachtöfen, die allerdings schwierig zu handhaben waren, weshalb man im frühen Mittelalter Kleinöfen bevorzugte. Den Schachtofen benutzte man in fast allen eisenverarbeitenden Kulturen von Westafrika bis China, bis er im Industriezeitalter vom koksbestückten Hochofen abgelöst wurde.
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Die Tricks der „Zauberschmiede"
Vor allem der Kohlenstoffgehalt bestimmt die Qualität des Eisens. Mit steigendem Kohlenstoffgehalt verliert das Eisen an Zähigkeit, wird aber härter - und spröder. Die Elastizität nimmt mit steigendem Kohlenstoffgehalt zunächst zu, später wieder ab, und auch die Schmelztemperatur sinkt, bis sie ab ca. 4,3 % Kohlenstoffgehalt wieder ansteigt. Natürlich wußten die Schmiede des Altertums das nicht - sie gewannen durch Erfahrung das Wissen, wie sie dem Eisen die gewünschten Eigenschaften geben konnten.
Das im „Rennfeuer" produzierte Roheisen enthielt nur wenig Kohlenstoff, es war damit ziemlich weich. (Im Hochofen gewonnes Roheisen enthält meistens mehr als 2 % Kohlenstoff, ist sehr hart, aber spröde und es bricht bei Stoß oder Schlag. Beide Arten Roheisen enthalten weitere, auch nichtmetallische Beimengungen, die die Festigkeit meinst negativ beeinflussen.)
Schon beim wiederholten Erhitzen in den offenen Essen (Kaminen), in denen durch Blasebälge zusätzlich mit Luft versorgte Holzkohlefeuer brannten, und beim Zusammenschmieden verbrannte der restliche Kohlenstoffs fast völlig. Außerdem fielen viele Schlackenbestandteile aus.

Sinkt der Kohlenstoffgehalt sehr weit, unter 0,5 %, ab, hat man Schmiedeeisen. Schmiedeeisen ist sehr zäh und läßt sich hervorragend weiterverarbeiten - nicht nur durch Schmieden und Schweißen des heißen Eisens, sondern auch durch Dengeln (Hämmern des kalten Eisens). Es eignet sich aber nicht für Klingen, da es verhältnismäßig weich ist und deshalb schnell schartig wird.

Eisenlegierungen mit einem Kohlenstoffgehalt zwischen 0,5 % und 1,7 % haben eine besonders wertvolle Eigenschaft: sie lassen sich durch Abschrecken des glühenden Metalls härten ( "stählen").
Schon sehr früh - vor 1000 v. u. Z. - müssen findige Schmiede erkannt haben, daß sich Klingen durch Einhämmern gestampfter Holzkohle dauerhaft härten ließen. Später gewann man Stahl durch Verhüttung bei Kohlenstoffüberschuß und Glühen des Eisens in Holzkohlestaub.
Spätere Schmiede verfeinerten diese Methode zum Einsetzen (Oberflächenhärten): Relativ weiches, aber zäher und elastisches Eisen wird 2-8 Stunden lang in Holzkohlenpulver geglüht, wobei der Kohlenstoffgehalt in der Randzone steigt, der Kern aber zäh bleibt.
Schon Waffen aus einfachem Stahl waren denen aus Bronze oder Roheisen haushoch überlegen. Mit einer solchen Waffe konnte ein Krieger mit voller Wucht eine vernichtende Folge von Hieben und Stößen austeilen, ohne das seine Waffe sich im Kampf verbog oder gar zersplitterte. Die „Fechtkunst" entstand erst mit dem Aufkommen des Stahlschwertes.
Im Laufe der Jahrhunderte fanden experimentierfreudige Schmiede immer neue Möglichkeiten, die Qualität des Stahls zu beeinflussen. Glühtemperatur, Abschreckgeschwindigkeit und Kühltemperatur beeinflussen seine Eigenschaften. Außer Wasser, das manchmal mit Eis gekühlt wurde, verwendete man auch Pflanzenöl zum Abschrecken. Glühen beseitigt innere Spannungen und homogenisiert das Gefüge des Stahls.
Elastizität und Zähigkeit gehen beim Härten zurück. Härte und Sprödigkeit lassen sich durch Erwärmen des gehärteten Stahls auf bestimmte Temperaturen zwischen 200 und 300 Grad, durch Anlassen , zum Teil zurücknehmen. Die Schmiede hatten natürlich keine Thermometer, sie erkannten die richtigen Temperaturen an den „Anlaßfarben", die der Stahl beim Erhitzen annimmt. Das Vergüten , das Abschrecken und Anlassen auf relativ hohe Temperaturen (450 bis 700 Grad), erhöht zugleich Zugfestigkeit und Härte.
Die Kelten in Noricum , dem heutigen Kärnten, galten im Altertum als die unübetrefflichen Meister der Stahlgewinnung. Der Wiener Werkstoffkundler Straube konnte mit nachgebauten keltischen Schachtöfen nachweisen, daß die Noriker sowohl Hitze wie Sauerstoffzufuhr steuern konnten. Damit, und durch geschickte Wahl des Erz-Kohle-Verhältnis, ließ sich der Kohlenstoffgehalt gezielt beeinflussen.
„Ferrum Noricum" in den typischen Barren in Form einer Doppelpyramide wurde bis nach Rom und sogar nach Griechenland exportiert. Auch nach der römischen Besetzung durch die Heere des Drusus und Tiberius 15 v. u. Z. blieb Noricum ein Zentrum der Stahlgewinnung - möglicherweise war das sogar der Hauptgrund für die römische Invasion.
Eine Legende schildert, wie einst ein Herrscher von Damaskus einen Übeltäter besonders hart bestrafen wollte, weshalb er verfügte, daß der Arme mit einer rotglühenden Schwertklinge zu durchbohren sei. Zum Erstaunen des Henkers erwies sich die Klinge nach dieser Prozedur als hart, geschmeidig und in jeder Beziehung veredelt. Erst als der Vorrat an Verbrechern, überzähligen Sklaven, Kriegsgefangenen und anderen armen Kreaturen aufgebraucht war, zweifelte jemand an der Behauptung, die Seele des Entleibten sei in den Stahl geschlüpft.
Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, daß diese Geschichte einen realen Kern hat. Jedenfalls wurden tatsächlich Waffen mit Blut gehärtet, und zwar nicht nur in den „finsteren Zeiten". (Noch Kapitän Ahab in „Mobby Dick" ließ seine Harpunenspitzen mit seinen Männern abgezapftem Blut härten.) Tatsächlich entdeckten weniger abergläubische Schmiede, daß man die Klinge nur in einer mit Lederresten angereicherten Salzwasserlösung abzuschrecken brauchte, um dieselbe Wirkung zu erzielen. Das wenig appetitliche Härten in abgestandenem Urin hatte eine noch bessere Wirkung. Diese Verfahren sind alle eine primitive Form der Oberflächenhärtung durch Stickstoffverbindungen, das Nitrieren. Bei der modernen Form des Nitrierens wird der Stahl bei 500 Grad Temperatur in Ammoniak getaucht, wobei sich in der Randzone sehr harte Nitride bilden.
Ebenfalls mit der Stadt Damaskus wird das Damastzenieren von Klingen in Verbindung gebracht - wahrscheinlich, da Waffen aus dieser Stadt seit dem hohen Mittelalter einen legendären Ruf genossen. Damastzenierte Klingen verbinden Härte mit Elastizität. Bei diesem aufwendigen Schmiedeverfahren werden dünne Stäbe aus je einer besonders harten und einer besonders elastischen Stahlsorte regelrecht ineinander Verflochten, zusammengeschmiedet, gefaltet und wieder zusammengeschmiedet. Das Ergebnis ist eine Art „Verbundwerkstoff".
Das Verfahren selbst war schon seit der Spätantike bekannt, zum Beispiel sind die Klingen alemannischer Langschwerter aus dem 4. Jahrhundert kunstvoll damastzeniert. 
Legierte Stähle gab es eigentlich erst seitdem im 18. Jahrhundert die ersten Tigelstähle „gekocht" wurden. Eigentlich, denn schon vorher gab es „Zufallslegierungen" durch die Verwendung bestimmter Erze. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß einige Schmiedemeister diese „Zufälle" durch gezielte Auswahl der Erze im gewissen Umfang steuern konnten. Einige Erze - darunter gerade Raseneisenerze - enthalten nämlich Spuren von Mangan, Nickel oder Kobalt. Beim Verhütten fallen diese Erze eher unangenehm auf, da sie einen höheren Schmelz- und Erweichungspunkt haben - sie galten deshalb als „verhext". Findige Schmiede könnten aber gerade deshalb auf die besonderen Eigenschaften dieser Erze aufmerksam geworden sein. Nickel verbessert die Zähigkeit, Zugfestigkeit und Härte des Stahls, ebenso Kobalt. Mangan verbessert die Durchhärtbarkeit, Verschleißfestigkeit und Schmiedbarkeit. Außerdem rosten diese legierten Stähle weniger schnell als unlegierte.
Mangan kommt von „magnesia nigra", einer schwarzen, bei der anatolischen Stadt Magnesia gefundenen Erde. Die Namen „Nickel" und „Kobalt" deuten darauf hin, daß man diesen Erzen (die reinen Metalle konnten erst viel später gewonnen werden) magische Eigenschaften zuschrieb: „Kobalt" kommt tatsächlich von „Kobold", „Nickel" ist das männlichen Gegenstück zu „Nixe".
Natürlich waren nicht alle diese Methoden jedem Schmied bekannt. Viele dieser Tricks waren sogar streng gehütete Geheimnisse. Der einfache Dorfschmied beherrschte sein Handwerk gut genug, um brauchbare Äxte und einfache Messer schmieden zu können. Echte „Spitzenschmiede" hatten ihnen nicht nur größeres Geschick, sondern auch einen reichen Fundus an besonderen Techniken voraus - und nicht nur beim Schmieden. Nur am Rande sei erwähnt, welchen Einfluß der Schliff auf die Qualität einer Klinge hat, und auch die Form des Griffes ist für ein Schwert entscheidend.
Wie schon erwähnt, war selbst im frühen Mittelalter das Schwert, namentlich das Langschwert, die Waffe der „Edlen". Nach heutigen Begriffen waren die meisten dieser Schwerter nicht sonderlich edel - eher minderwertig in Material und Verarbeitung. Es gab aber schon Schwerter, deren Qualität noch heute verblüfft. Von Zauberkräften abgesehen waren die oft besungenen Eigenschaften vieler der sagenumwobenen Schwerter keineswegs nur Dichtung. Kein Wunder, daß man Schmieden, die solche Waffen schufen, magische Fähigkeiten zutraute!
Martin Marheinecke, 1998
Erstmals veröffentlicht 1999 in "Geistzauber" (Band 81 der "Legendensänger-Edition) 
Leicht überarbeitete und ergänzte Fassung: Oktober 2000
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Schwerter des Altertums
Bronzeschwerter
1. kretisches Kurzschwert, vom minoischen  "Tortenheberdolch" abgeleitet, um 1600 v. u. Z.
2. Kurzschwert der frühen Urnenfeldkultur, um 1500 v. u. Z.
3. Vollgriffschwert (Griff und Klinge sind aus einem Stück geschmiedet), nordische Bronzezeit, um 1300 v. u. Z. 
4. Griffangelschwert (Griff und Klinge sind separat geschmiedet, der Griff ist an Angeln eingehängt), Urnenfeldkultur, um 1200 v. u. Z. 
5. Griffzungenschwert (die Klinge mündet in eine Zunge, über die der Griff gestülpt wurde), Urnenfeldkultur, um 1200 v. u. Z. 

Eisenschwerter
6. Langschwert der Hallstadt-Zeit, um 700 v. u. Z.
7. griechisches Kurzschwert, um 400 v. u. Z.
8. keltisches Schwert der La Téne-Zeit , um 400 v. u. Z.
9. keltisches einschneidiges Hiebschwert, Vorform des Säbels,
um 300 v. u. Z. 
10. Akinakes, skytisches Kurzschwert, dolchänhliche Stoßwaffe, 
um 300 v. u. Z. 
11. Gladius, römisches Legionärsschwert, um 100 v. u. Z. 
12. Spatha, spätantikes Langschwert, Rätien, um 350
13. Scamasax, einschneidiges Hieb- und Stichschwert, kann mit einer wie mit beiden Händen geführt werden, fränkisch, um 600 

Quellen: 
Helmut Birkan: Kelten, Verlag der Östrr. Akademie der Wissenschaften, Wien, 1997
John Coles: Erlebte Steinzeit (Achaeology By Experiment), Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach, 1980
Thomas Froncek: Abenteurer aus dem Norden (The Northmen), TIME LIFE bei Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1978
Wolfgang Korn: Wo stand die erste Schmiede? Bild der Wissenschaft, 6/1998, DVA, Stuttgart
Wolfram zu Mondfeld: Wikingfahrt, Koehler, Herford, 1986
Rudolf Pörtner: Der Erben Roms, Econ, Düsseldorf - Wien, 1964
Sauter: Metallurgie des Eisens, Vorlesungsskript an der FH Hamburg, 1985

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