„Hilfe, ich bin ein Esoteriker!"
Bittere Selbsterkenntnisse eines aufgeklärten und kritischen Zeitgenossen
 
Ich wurde als "Esoteriker" entlarvt
In meinen Regalen steht jede Menge "Esoterisches"
Mein Weltbild ist "esoterisch"
Ich "glaube" an PSI
Historisch gesehen bin ich in bester aufgeklärter Gesellschaft


Er läuft und läuft und läuft... nein, kein alter VW-Käfer und auch kein ebenso alter Camembert, sondern der schon seit gut 30 Jahren andauernde, ewig neue, „Esoterik-Boom". 
Für einige ist er der Beginn eines neuen Zeitalters, für andere ist er die längste Modetorheit der Welt. Für wieder andere ist er schlichtweg irrelevant, dann gibt es noch Leute, die (wieder mal) das Abendland untergehen sehen, andere sehen in ihm das Symptom tiefer Befindlichkeitsstörungen, andere nur Geschäftemacherei und Bauernfang... und so weiter und noch viele, viele Ansichten mehr.
Was mich angeht: Eigentlich halte ich mich in dieser Hinsicht für einen nüchtern und logisch denkenden Zeitgenossen, der mit beiden Beinen fest auf den Fundamenten der Wissenschaft steht. Kein dogmatischer Ablehner allem nicht „streng wissenschaftlich Bewiesenen", aber jemand, der Behauptungen gerne auf den Grund geht. Ich vertraue auf die klassischen Lehrsätze der Logik, rasierte mich regelmäßig mit „Ockhams Rasiermesser" (die einfachste Annahme ist in der Regel die beste), schätze die Denker der Aufklärung, und habe die skeptische Nachprüfung (oder den „konstruktiven Skeptizismus") zu so etwas wie meiner Alltagsphilosophie erhoben. Ich halte nichts von der Idee, daß die Planetenbahnen mein Schicksal lenken, und nicht viel von jenen Wunderheilern, die ihren Patienten grundsätzlich erst mal finanzielle Schlankheitskuren verordnen. An spiritistischen Sitzungen nehme ich ebensowenig teil wie an schwarzen Messen, und ich besitze auch kein Tarot-Spiel und habe keine Kristallkugel im Schrank. Also: Ich bin offenbar einigermaßen vernünftig.

Ja, wenn mir nicht immer wieder klargemacht würde, daß ich doch eigentlich trotzdem tief im okkulten, mystizistischen, magischen, spirituellen - kurz esoterischen - Denken stecke. Für diese ungeheuerliche Erkenntnis gibt es gleich vier Hinweise:

Ich wurde schon vor Jahren von einem Redakteur einer renommierten populärwissenschaftlichen Zeitschrift als Esoteriker entlarvt.
Über meinen „konstruktiven Skeptizismus" und meine „geistige Toleranz" und ähnlich abgehobene Konzepte vergaß ich leider eine Grundwahrheit des Alltagsdenkens: das Schubladenprinzip . Für alle „grenzwissenschaftlichen" Themen heißt das, daß es zwei Lager gibt, die sich unversöhnlich gegenüber stehen. In beiden Lagern glaubt man, daß es nur diese beiden Positionen und sonst gar nichts gibt, und daß die jeweils meine Seite im exklusiven Besitz der „Wahrheit" ist. Die „blind Glaubenden" auf der einen Seite, die „Skeptiker" (Selbstbezeichnung) oder „Ablehner" auf der anderen Seite.

Das es nur diese beiden Stühle und sonst nur harten Boden gibt, hätte mir schon 1991 klar werden müssen. Damals erschien in „bild der wissenschaft" der Artikel „Auf Teufel komm raus" über den „Vormarsch des Aberglaubens im deutschen Osten". Zu diesem - übrigens recht guten - Artikel schrieb ich einen Leserbrief. Ich gebe die Passage meines Briefes wieder, die „bdw" auf der Leserbriefseite abdruckte:
„Die Scharlatane, Seelenfänger und Spinner haben leider unfreiwillige Verbündete in den Reihen ihrer Gegner, den Aufklärern und Skeptikern. Wenn jemand die Frage nach „Wahrträumen" oder nach den überraschenden astronomischen Kenntnissen frühgeschichtlicher Völker einfach mit „so etwas gibt es nicht" beantwortet, treib er vor allem junge Leute in die Arme der Pseudo-Wissenschaftler. Die „wissen" nämlich auf so ziemlich alles einfache Antworten. (...) Ideologischer Dogmatismus, nicht nur sozialistischer Prägung, macht alles noch schlimmer".
(Anmerkung: In meinem Brief äußerte ich an der mit (...) gekennzeichneten Auslassung die Meinung, daß z. B. die von Marx stammende Ansicht, alle Kulturen des Altertums seien Sklavenhaltergesellschaften gewesen, beispielsweise den Paläoastronautikern mit ihren „Götterastronauten" die Überzeugungsarbeit erleichtert. Wenn beispielsweise die Pyramiden von Sklaven erbaut geworden wären, hätte man riesige unproduktive Heere von Wächtern haben müssen - die auch wiederum kontrolliert werden müßten. Das Projekt hätte den größten Teil der Bevölkerung gebunden und wäre insgesamt wahrscheinlich unkontrollierbar gewesen. Sklaverei und Zwangsarbeit sind, wie z. B. auch der NS-Staat zeigt, vor allem bei lange dauernden Großprojekten extrem unproduktiv. Läßt man keine Alternative zum „Sklavenstaat" zu, wird der Pyramidenbau beim näherer Betrachtung zum unerklärbaren Wunder. Das DDR-Geschichtsbild tat genau das, es „schuf" durch dogmatisch erstarrten materialistischen Reduktionismus indirekt „Wunderglauben".)

Ich erhielt einen persönlich gehaltenen Antwortbrief des Verfassers, Hans Schmidt, in dem er meinte, er könne es zwar tolerieren, daß ich zu esoterischen Erklärungsmodellen neige, er selber zöge aber rationale Erklärungen vor.
Mir hätte klar sein müssen, daß jeder, der die „abergläubischen Spinner" verteidigt und die „etablierte Wissenschaft" kritisiert, automatisch auch ein „Spinner" sein muß. Tja, da Hans Schmidt nun mal Fachmann ist, wird da wohl was dran sein ...

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In meinen Bücherregalen steht jede Menge esoterische Literatur
Vor einigen Monaten erschreckte mich die in einem Betrag des Fernsehmagazins „Blickpunkt Kirche" aufgestellte Behauptung, schon ein drittel aller in Deutschland erscheinenden Buchtitel stamme aus der Esoterik-Ecke.

Ich wollte dieser alarmierende Meldung auf den Grund gehen und suchte die nächste Buchhandlung auf. Tatsächlich fand ich dort einige gut gefüllte Regale, über denen groß „Esoterik und Grenzwissenschaften" stand. Diese Regale hätten theoretisch also etwa ein Drittel des großen Buchladens einnehmen müssen, was sie bei weitem nicht taten. Nun gut, vielleicht ein Drittel der Sachbücher? Auch dazu reichte die durchaus nicht kleine Esoterik-Ecke nicht hin. Dann wurde mir klar, daß ich - und der Buchhändler - offenbar von einem viel zu engen Esoterikbegriff ausgingen! Die ganzen lustig bunten „psychologischen Ratgeber" („Positives Denken in zehn Schritten durch kontemplatives Atmen" usw.) gehören natürlich ebenso in die esoterische Kiste wie Bücher über alternative Heilverfahren und Naturheilkunde. Natürlich gehören Meditation, Yoga und autogenes Training genau so in die okkulte Ecke wie die Werke vieler, vor allem östlicher, Philosophen. Da die Aussage aus dem Munde einer Theologin stammt, gehören sicher alle nichtchristlichen religiösen Schriften ebenso zur Esoterik wie christliche Mystiker, charismatische Bewegung, Gnostik und ähnliche Ketz... sorry, nicht mit den Grundlagen der EKD-Synode (ev.-lut.) oder den Glaubensgrundsätzen des Vatikans (röm.-kath.) übereinstimmenden religiösen Überzeugungen. Natürlich gehören auch freimaurerische Werke zur Esoterik. Ja, und die Grenzen der Grenzwissenschaft sind doch offenbar viel umfassender, als ich dachte: Spekulationen über außerirdisches Leben, Bücher über Sprache und Seele von Tieren, Werke, die sich mit den Auswirkungen des quantenphysikalischen Weltbildes oder der Chaostheorie auf unser Leben befassen, Lehrbücher der Psychoanalytiker der C. G. Jung-Schule, die Schriften des Freud-Schülers Reich - all dies, und viel mehr, ist nicht allgemein wissenschaftlich anerkannt, ergo „pseudowissenschaftlich", sprich esoterisch. Das alle historischen Außenseitertheorien und Bücher über Parapsychologie von rechts wegen in das Esoterik-Regal gehören, versteht sich eigentlich von selbst.
Und tatsächlich: Nach dieser erweiterten Definition stimmt die „Ein-Drittel-Aussage" bei den Sachbücher! Es hieß aber wörtlich „alle Buchtitel" - was ist also mit der Belletristik? Auch da gehört rund ein Drittel des Angebots in die Ecke der Unvernunft , denn die Fans der Science Fiction, der Fantasy oder des Horrors sind bekanntlich abgefahren, geistig unreif und zur bürgerlichen Lebensführung unfähig.

Gerüstet mit dieser Erkenntnis betrachtete ich meine Bücherregale. Und tatsächlich: wo ich bisher nur einige wenige esoterische oder grenzwissenschaftliche Titel wahrgenommen hatte, sah ich nun fast nur noch esoterisches, pseudowissenschaftliches, unchristliches, irrationales usw. Zeugs - und das regalmeterweise. Ganz klar: Wessen Wohnung so mit esoterischen Büchern vollsteht wie meine, der muß einfach ein Esoteriker sein!

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Mein Weltbild ist eindeutig esoterisch
Aufgeschreckt durch diese Selbsterkenntnisse griff ich zum „Esoterik-Leitfaden" und schlug unter „Esoterisches Weltbild" nach. Das esoterische Weltbild zeichnet sich durch vier (schon wieder!) charakteristische Merkmale aus.

1.  Die Welt wird als völlig geordnet betrachtet. Alles hängt mit allem auf eine sinnvolle Weise zusammen, wobei der Zusammenhang weit über das hinausgeht, was wir Ursache und Wirkung nennen. Der Mensch ist allerdings nicht imstande, diese Ordnung vollständig zu durchschauen ... (Ja, ich glaube, daß das Universum einen Sinn hat, aber so ganz begreifen werden wir es wohl nie.)

2.  Der Mensch hat an zwei Ebenen oder Zuständen der Wirklichkeit teil, der materiellen und der geistigen. Diese Zustände stehen in enger Wechselwirkung, sind letztlich zwei Aspekte einer Realität ... (Natürlich, das kann sein, auch wenn ich das bisher für „sprituelles Denken" oder „undogmatische Religiosität" hielt.)

3.  Es ist die natürliche Tendenz der Seele, zu wachsen, sich weiterzuentwickeln, immer umfassender und differenzierter zu werden. Dazu sind viele Erfahrungen nötig, auch unangenehme. Je mehr Einsicht jemand in die universellen Zusammenhänge gewinnt, desto mehr wird er die scheinbaren Gegensätze als zwei Extreme einer Polarität sehen, die nicht unabhängig voneinander existieren können.... (Ja, das stimmt, mit wachsender Lebenserfahrung wird mir das immer klarer.)

4.  Das Universum ist freundlich für den, der seine Gesetze kennt und sie respektiert. Wahres Glück entsteht dadurch, daß man das tut, was notwendig ist, und akzeptiert, was geschieht. (Akzeptabel.)

Die Schlußfolgerung ist zwingend: Mein Weltbild ist eindeutig esoterisch!

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Ich glaube allen Ernstes an PSI-Phänomene
Trotz meiner an sich eher skeptischen Einstellung zu Thema „PSI" fällt es mir ausgesprochen schwer, außersinnliche Wahrnehmungen einfach als „Wunschdenken", „Betrug", „Wahnvorstellungen", „neurotische Wahrnehmungsstörungen" oder „Mißdeutung bekannter Phänomene" abzuqualifizieren, wie es ein vernünftiger, geistig gesunder Mensch tun sollte.
Ich machte nämlich selber Erfahrungen, die (auch wenn ich natürlich weiß, das es „so was" nicht gibt) eigentlich nur „außersinnlich" sein können. Ich habe z. B. gelegentlich Wahrträume. Lange Zeit konnte ich sie damit wegerklären, daß ich:
a) bekanntlich jede Nacht mehrere Stunden träume, und es schon deshalb gelegentlich zu zufälligen Übereinstimmungen mit tatsächlichem Geschehen kommen müsse,
b) Wahrträume sich meistens auf persönliche Dinge beziehen (die durchaus für mich, wenn ich mir die Mühe machen würde, zu einem gewissen Grad vorhersehbar sind) und 
c) jeder dazu neigt, „Vorzeichen", die nicht in Erfüllung gingen, zu ignorieren und geglückte Prophezeihungen aufzuwerten.

Meine vernünftig-skeptische Haltung geriet schon im April 1989 ins Wanken, als ich einen total verrückten Traum hatte, in dem ein russisches Jagtflugzeug in Belgien zerschellte. Es hatte zuvor die (damalige) BRD im Tiefflug überquert - mit offener Cockpithaube. Ich konnte erkennen, daß es ein Typ mit Schwenkflügeln war und erfuhr (im Traum), daß die Maschine auf einem Luftwaffenstützpunkt in Polen bei Kolberg gestartet war. „Welch ein irrer Traum", dachte ich mir beim Aufwachen. Eine Woche später durchquerte eine sowjetische MiG 23 (ein Schwenkflügler) den westdeutschen Luftraum. Der Pilot hatte sich kurz nach dem Start auf einem Fliegerhorst bei Kolberg (Polen) mit dem Schleudersitz aus der Maschine katapultiert. Von Autopiloten gelenkt, nahm die Maschine Kurs nach Westen - mit offenstehendem Cockpit. Die Maschine stürzte dann Belgien ab.

Ich ließ mich dazu hinreißen, danach Wahrträume doch ein klein wenig ernster zu nehmen. Gut, es könnte alles Zufall sein. Es gibt ja schließlich auch Sechser im Lotto. Allerdings hatte ich später noch mehrere Erlebnisse, die ich nur schwer „konventionell" deuten konnte (ja, ich gehöre zu diesen Typen, die ihren eigenen Wahrnehmungen mehr trauen, als den Worten einer Autorität), aber sehr gut in das Weltbild der Parapsychologie (pfui!) passen. Es fällt mir, ehrlich gesagt, schwer, einfach zu behaupten, z. B. Aurasehen sei Betrug, wenn ich selber manchmal etwas wahrnehme, was ohne weiteres mit Beschreibungen des Auraphänomens übereinstimmt. Ich weiß nicht, WAS ich da genau sehe, ich weiß nur, DAS ich etwas wahrnehme, und weiß auch, daß es kein „Nachbild" sein kann (die sehen nämlich anders aus).

Es gäbe zwei „vernünftige" einfache Erklärungen für all dies: a) Betrug (ich flunkere euch an) oder b) Selbstbetrug (ich mache mir was vor). Was Fall a) angeht, müßt ihr mir schon glauben (oder auch nicht). Im Fall b) reicht die übliche Erklärung „Wunschdenken" oder „Machtphantasie" nicht aus. Daher müßte ich bei mir schwere Wahrnehmungsstörungen diagnostizieren (eventuell Schizophrenie) und mich dringend in psychiatrische Behandlung begeben. Auf solch eine schwere Bewußtseinsstörung gibt es aber sonst keinen Hinweis. Ich weiß ganz genau, es gibt eine natürliche Erklärung für das, was ich erlebe. Allein: ICH kenne sie NICHT! Deshalb bleibe ich bis auf weiteres bei der Hypothese „außersinnliche Wahrnnehmung".

Und da jeder, der an Psi glaubt, bekanntlich ganz tief im Okkulten steckt, ist auch klar: Mein Skeptizismus ist Fassade, meine Selbstkritik ist nur Schau, ich bin innen drin ein schlimmer Esotherik-Freak. Anständigerweise sollte ich mich durch bizarres Verhalten zu erkennen geben, große Kristallamulette, wallende Gewänder und „Jesuslatschen" tragen, eine ökobiotrophisch-vegan-makrobiotische Körnerdiät mit dem Geschmackswert von Tapetenkleister einhalten, meine Wohnung in permanenten Räucherstäbchen-Smog hüllen, indische Gesänge murmeln, mit Elfen, Engeln, Geistern und Gnomen Kontakt halten und allen Leuten ungefragt meine nebulösen Weisheiten aufdrängen. Leider habe ich noch nicht mal dazu Lust, öffentlich im Stadtpark zu meditieren!

Ich stehe also eindeutig nicht auf der Seite der „Skeptiker" - also des aufgeklärten modernen Menschen, des christlichen Abendlandes, der wahren Vernunft. Andererseits: Mit dem meisten, was so unter „Esoterik" läuft, kann und mag ich mich nicht anfreunden. Ich will nicht einfach glauben, wenn ich auch wissen kann. Das meiste, was mit dem Etikett „Esoterik" versehen ist, ist für mich einfach Aberglauben, Glauben wider besseren Wissens. Wenn ich durch eine esoterische Buchhandlung gehe und mir die Titel ansehe, auch in das eine oder andere Buch schaue, dann merke ich schnell, daß mindestens zwei Drittel davon blanker Unsinn sein dürften. Was ich an „Esoterika" wirklich gelesen habe, bestätigt diesen Eindruck. Ich habe wohl keine andere Wahl, als den unbequemen Platz zwischen den Stühlen einzunehmen.

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Aber - Moment Mal! Wie war das noch mal, historisch gesehen?
Ich vertraue auf die klassischen Lehrsätze der Logik. Auf wen gehen die zurück, wer hat sie zuerst formuliert? Die Denker der Antike - Pythagoras, Euklid, Platon, Aristoteles usw ... Wie sah das Weltbild dieser Geistesgrößen aus? Aus heutiger Sicht dachte sie - bei allen Unterschieden - esoterisch.

Ich halte viel von „Ockhams Rasiermesser". Wer war William of Occam ? Philosoph des Mittelalters, wichtigster Vertreter des Nominalismus, dem zufolge allein die Einzeldinge, das Konkrete, das Individuelle wirklich sind. Die Universalien, die Oberbegriffe, die Dogmen, die Lehrgebäude - sie sind bloße Namen, nicht wirklich. Die spätmittelalterliche Mystik wurde von Occams Lehre, daß der individuelle Glaube zählt und nicht das Dogma, der Gläubige und nicht die Kirche, stark beeinflußt.

Ich schätzte die Denker der Aufklärung. Was hatten Blücher, Danton, Diderot, Fichte, Franklin, Friedrich II.( der Große ), Goethe, Herder, Humboldt, Knigge, Lessing, Mirabeau, Stein, Voltaire, Washigton und viele andere gemeinsam, außer, daß sie als Dichter, Philosophen und Staatsmänner jene geistige Strömung mitprägten? Nun, sie waren Freimaurer, also Mitglieder einer eindeutig esoterischen Vereinigung. Goethe, Knigge und Mirabeau gehörten außerdem dem geheimnisumwobenen Illuminaten-Orden an, einer bei Verschwörungstheoretikern sehr „beliebte" Geheimgesellschaft.

Ich hänge der Philosophie des „konstruktiven Skeptizismus" an. Diese Auffassung ist der Feind jeder absoluten Gewißheit und dogmatischer Endgültigkeit, egal ob sie „anerkannte wissenschaftliches Lehrgebäude", „Glaubensbekenntnisse", „politische Ideologien" oder „von höheren Ebenen gechannelte Botschaften" heißen mögen. Ich muß mich auf mich selbst verlassen - und mir meiner Fehlbarkeit bewußt sein. Ich weiß, daß ich nichts weiß - alles, was ich in der Hand habe, sind noch nicht widerlegte Annahmen. Ich fühle aber auch, daß da mehr ist, etwas, das über meinen Ego steht, was ich aber nicht beweisen kann. Einige Leute nennen das „mystische Erfahrung" oder „religiöses Erleben".... ich bin mir noch nicht sicher.

Es ist zwar unbequem, zwischen den gut gepolsterten Stühlen, derer, die Glauben wollen („Esoteriker") und denen, die aus Prinzip nichts glauben wollen („Skeptiker", „wissenschaftliches Establishment") zu sitzen, aber ich bin nicht der einzige, der dort sitzt, und es waren nicht die schlechtesten, die vor mir dort saßen. Wer weiß, vielleicht ist der harte Boden der Boden der Realität? Der „Selbstverwirklichung" tut auf alle Fälle gut, mal selber zu denken.

Martin Marheinecke, November 1997

Dieser Aufsatz erschien erstmals im WoC 14 des  SFC  "Black Hole  Galaxie"


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