Sciento-logisch?
Fragwürdige Ansichten über eine fragwürdige Organisation
Die "Scienties" wurden im Laufe der 1990er Jahre geradezu zum Inbegriff der "Psycho-Sekte", des "Sektenkonzerns", der "Krake". Glaubte man einigen Veröffentlichungen, die um 1994/95 erschienen, dann hatte "L. Rons Imperium" bereits große Teile des Wirtschaftsleben unterwandert. Die Scientology-Kritikerin Renate Hartwig behauptete gar, wir stünden kurz vor der Machtergreifung durch Scientology.
Inzwischen hat sich die Hysterie etwas gelegt. In Deutschland stagniert die "Sekte" zum Glück, aufgrund der herben Kritik der Medien. Die Dämonisierung bliebt. Und auch die "Scientology-Org" gibt es allen markigen Sprüchen zum Trotz immer noch.

Scientology hat nach Schätzungen etwa 6 Millionen Anhänger weltweit. In Deutschland beläuft sich die Anhängerzahl auf etwa 200.000 (einschließlich "Sympathisanten") davon sind etwa 30.000 aktiv.

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"Scientology ist eine Religion"
 
Wer das glaubt, ist der Selbstdarstellung der Scientologen auf den Leim gegangen!

Zahlreiche Gutachten und die Berichte von "Aussteigern" machen immer wieder deutlich, dass Scientology keine Religionsgemeinschaft (und damit auch keine "Sekte") ist, sondern in erster Linie ein profitorientiertes Wirtschaftsunternehmen. Die vielfach verzweigte Scientology-"Org" ist ein multinationaler Konzern zur weltweiten Vermarktung einer Psychotechnik, die ihr Begründer L. Ron Hubbard (1911 - 1986) weltanschaulich überhöhte und aus steuerrechtlichen und propagandistischen Gründen mit dem Etikett "Kirche" versehen hat. Die religiösen Elemente in den scientologischen Schriften sind erkennbar "aufgesetzt". 
Dennoch greift Kritik, die in Scientology nichts als einen profitorientierten Psycho-Konzern sehen, zu kurz: Da sich die "Org" nicht anders als unzählige "normale" kapitalistische Unternehmen verhält, könnte man sie auch nur mit diesen Maßstäben messen. Die "Scientology Church" ist mehr als nur ein windiges Dienstleistungsunternehmen - sie ist die selbsternannte Retterin der Menschheit, und zwar nicht im Sinne der religiösen Seelenrettung, sondern im Wortsinn.
Tatsächlich zeigt das Weltbild Hubbards deutlich paranoide Züge - er glaube wohl selber, dass die von ihm zusammengeschriebenen Methode die Menschheit retten könnten. Seitdem Anfang der 1980er Jahre die Führung des Konzerns auf das RTC (Religios Technologie Center) und damit auf "Scientologen der 2. Generation", die wie David Miscavige in diesem System aufwuchsen, überging, gewann diese "Weltrettungs"-Ideologie noch an Schärfe.

Wie inzwischen unzählige Male berichtet wurde, geht es Scientology neben der skrupellosen Geldmacherei um wirtschaftliche und politische Macht. Die von ihnen selbst zugegebenen Endziele heißen "CLEAR PLANET" - die Machtübernahme auf der ganzen Erde, zwecks Menschheitsrettung - und schließlich "CLEAR UNIVERSE" (!). 

Dieser Größenwahn rief zwei entgegengesetzte, aber gleichermaßen problematischen Reaktionen hervor: Oft wurde und wird die von ihnen real ausgehende Gefahr wegen dieser irrealen Ziele nicht ernst genommen - ähnlich, wie viele Neo-Nazi-Gruppen, obwohl buchstäblich "brandgefährlich", wegen ihrer versponnenen Machtphantasien unterschätzt werden. Andere nahmen die Aussagen der Scientologen beim Wort und schürten geradezu paranoide Angstvorstellungen. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass beide Über-Reaktionen den "El Rons" letztlich ganz gut in den Kram passen.
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"Die Methoden der Scientology/Dianetik sind fauler Zauber"
 
Leider stimmt das nicht. Gerade die vergleichsweise preiswerten "Anfängerkurse" für Neu-Scientologen, meistens Kommunikationskurse, enthalten durchaus wirksame Methoden - das Opfer soll ja einen positiven Eindruck gewinnen, damit es bei der Stange bleibt und die teuren Fortgeschrittenen-Kurse belegt.
Hauptmethode der Dianetik ist das "Auditing". In Anlehnung an psychoanalytische Methoden spüren dafür ausgebildete Auditoren "Engramme" traumatischer Erlebnisse ("Aberrationen") auf. Als Hilfsmittel dient ihnen dabei das E-Meter, ein Hautwiderstandsmessgerät, eine Primitivversion des umstrittenen "Lügendetektors". Die bei seriösen Therapien möglichst vermiedene Abhängigkeit des Patienten vom Therapeuten ist beim "Auditing" volle Absicht. Nach Aussteigerberichten werden intime Daten gesammelt, um bei Bedarf Personen zu erpressen.

Eine andere, perfide, aber wirksame, "Tech" der Scientologen in die Redefinition von Wörtern. Im Prinzip werden alle Begriffe auf Scientology zugeschnitten: Kriminell und asozial ist alles, was die Ausbreitung von Scientology behindert, Ethik bedeutet "dem Verhaltenskodex der Scientology entsprechend". Ein Psychiater (der die Methoden der Scientology durchschauen könnte) ist folglich in diesem System ein "asozialer Feind des Volkes". Vielleicht auch deshalb, weil Hubbard "Heimwerker-Therapie" von Psychiatern wie auch von Psychologen von Anfang an energisch abgelehnt wurde. Auch der Begriff Logik wurde von Hubbard redifiniert: für ihn ist Logik "ein Spektrum, das von unendlicher Falschheit bis zur unendlichen Richtigkeit verläuft." Die Folgen: scientologisch geschulte Menschen denken sozusagen automatisch in scientologischen Bahnen. Schlimmer noch: Sie und Nicht-Scientologen reden zwangsläufig aneinander vorbei.

Es ist in der Tat so, dass L. Ron Hubbard sozusagen mit der Schere in der Hand durch die psychologische, soziologische, parapsychologische und okkult-magische Literatur ging und aus den Schnipseln Scientology und Dianetik zusammenklebte. Das ändert nichts daran, dass die abgeguckten Methoden und Tricks durchaus wirksam sind.

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"Die Scientologen suchen ihre Opfer unter labilen Menschen"
 
Sicherlich geraten viele Menschen mit psychischen Problemen in die Fänge der Scientologen, aber der Schwerpunkt ihrer Missionstätigkeit liegt bei eine ganz anderen Zielgruppe.
Das "ideale Opfer" ist ein karriereorientierter, durchaus zum beruflichen Erfolg fähiger Mensch, den aber gewisse Selbstzweifel plagen, der "Schwachstellen" hat, die er gerne loswerden möchte. (Das ist auch insofern logisch, da nur gut verdienende Anhänger die extrem teuren Kurse bezahlen können ... ).
Die berüchtigte "kostenlose Persönlichkeitstest" stellt - echte oder erfundene - Schwächen und Labilitäten in erschreckend überzeichneter Weise dar - aber natürlich bietet Scientology die einzig wirksame Abhilfe! Auditing, Kommunikationskurse, Bücher und Kassetten werden als Patentlösung angeboten.
Was für Einzelpersonen gilt, gilt auch für Betriebe. Scientology-Unternehmensberater (die nach außen seriös wirken), suchen sich als Opfer Geschäfte aus, die bereits sehr gut arbeiten. Sie wenden sich an den Geschäftsführer und bieten ihm an, dafür zu sorgen, dass sein Geschäft ihm noch mehr Geld einbringt, indem sie "Schwachstellen" beseitigen. Lässt sich der Geschäftsführer darauf ein, wird sein Unternehmen nach und nach scientologisch unterwandert. Das funktioniert besonders gut bei tradionell-autoritär geführten Betrieben - die "Tech", die LRH-Technologie der W.I.S.E. (des scientologischen Unternehmerverbands) ist knallharter Kapitalismus ganz alter Manchester-Schule. Ein scientologisch geführtes Unternehmen muss z. T. horrende Lizenzgebühren an die Zentrale in den USA abführen, was einige Geschäfte schon in den Konkurs getrieben hat.
Allerdings spricht Scientology nicht nur konservative Menschen mit egoistischen Zielen an, sondern auch fortschrittliche, liberale. Sie glauben an die Möglichkeit einer besseren Welt - Scientology verspricht sie. Scientology gibt sich "wissenschaftlich" und dem Fortschritt aufgeschlossen, scheint am persönlichen Erfolg ihrer Anhänger interessiert zu sein und steht scheinbar mit beiden Beinen im Leben - sehr im Gegensatz zu vielen echten Religionsgemeinschaften.
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"Scientologen sind verkappte Satanisten"
 
Satanismus ist das Lieblings-"Sekten"-Thema sowohl der Boulevardpresse wie von ultra-konservativer bis reaktionärer Kirchenkreisen. Selbst harmlose Religionsgemeinschaften wie die Wicca werden gerne so tituliert. "Jugendsatanismus" ist das Schreck gespenst tradionell-religiöser Erzieher - wo Gläser gerückt werden, ist der Teufel nicht weit. Da überrascht es nicht, dass auch Scientology damit in Verbindung gebracht wurde.
Im Falle der Scientologen ist dieser Vorwurf allerdings so ganz falsch nicht. Hubbard war nämlich in den 1940ern führendes Mitglied des 1902 gegründeten und ab 1922 vom legendären Schwarzmagier Aleister Crowley geführten und ausgebauten Ordo Templi Oriens (O.T.O.). Obwohl der O.T.O. nicht satanistisch im engeren Sinne war - im Sinne eines "umgekehrten Christentums", bei dem statt Gott eben der "Widersacher" angebetet wird - entsprach er in vielem den landläufigen Klischees eines "schwarzen Ordens". Crowley war anfangs von Hubbard, in dem er ein großes magisches Potential entdeckte, durchaus angetan. Als Hubbard gemeinsam mit Dr. Parson (pikanterweise einer der Gründer der heute zur NASA gehörenden "Jet Propulson Laboratories") ein selbsterdachtes Ritual zelebrierte, mir dem ein "höheres Wesen" gezeugt werden sollte, schrieb Crowley unumwunden: "Entweder Parsons oder Hubbard oder sonst jemand produziert ein Mondkind. Mir schwillt der Kamm, wenn ich mir diesen Schwachsinn vorstelle." Hubbard und Crowley gerieten in Streit, Hubbard verlies den O.T.O. und behauptete später, er sei ihm nur deshalb beigetreten, um in Amerika die schwarze Magie auszumerzen. Allerdings hatte er sich reichlich Kenntnisse von Crowleys magischen und sonstigen Geheimnissen angeeignet, die ihm beim Aufbau seiner Scientology Church zugute kamen.
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"Scientology ist eine Science-Fiction-Sekte"
Schon seit den 1980er Jahren wird Scientology in den Medien gerne und zum Missvergnügen der SF-Fans immer wieder als "Science Fiction Sekte" bezeichnet. Mit dem Sci-Fi-Film "Battlefield Earth", nach einem Roman von L. Ron Hubbard von dem Vorzeige-Scientologen John Travolta produziert, der auch eine Hauptrolle übernahm, erhielten diese Vorwürfe neue Nahrung.
Die Pseudo-Religion Scientology hat wirklich einige Wurzeln in der Science-Fiction-Szene. Lafayette Ron Hubbard war bis 1952 ein recht erfolgreicher Science Fiction-Autor. Er war unter anderem mit dem SF-Pionier- und Herausgeber John W. Campbell befreundet, in dessem noch heute in Fankreisen legendären SF-Magazin "Astounding Science Fiction" 1950 der erste "Dianetics"-Aufsatz erschien. Der berühmte SF-Autor A. E. van Vogt war Mitbegründer der Dianetik, lehnte aber später die zur "Religion" gewordene Scientology ab.

So überrascht es nicht, dass Hubbard seine Lehre kräftig mit SF- und Fantasy-Elementen anreicherte.

Neben dem Körper und dem Verstand besteht der Mensch laut Hubbard aus dem zeit- und masselosen und unsterblichen "Thetan", ein gottgleiches Wesen mit allmächtigen Schöpferkräften und grenzenlosem Wissen.
Nach dem Tod eines Menschen verlassen die Thetanen dessen Körper und wandern zu einem anderen weiter. Erstaunlicherweise haben die Thetanen vergessen, was sie wirklich sind: die Irrlehren (Postulate), die sie sich im Laufe ihrer Existenz angeeignet haben, hindern sie daran. Sie schleppen aber die belastenden Erinnerungen, die "Engramme", aus zahllosen Körpern mit sich herum. Ziel des "Auditing" ist es, diese "Engramme" zu löschen. Wer alle "Engramme" aus seinem Leben gelöscht hat, gilt als "Clear", frei von "Aberrationen", psychischen Problemen und psychosomatischen Krankheiten. Wer nach jahrelangem (und teurem) Auditieren auch die Engramme aus früheren Leben aufgearbeitet hat, darf sich "Operating Thetan" (OT) nennen und soll laut Hubbard übernatürliche Fähigkeiten besitzen. In dieser Stufe winkt einem die völlige Kontrolle über Materie, Energie, Raum, Zeit und Denken. (Selbst bei hohen OT-Grade sind bisher keine außergewöhnlich starken PSI-Kräfte beobachtet worden - allenfalls eine außergewöhnlich starke Arroganz.)
Wenn man scientologischen Schriften glaubt, stammt die Menschheit - bzw. die in Menschen lebenden Thetanen - eigentlich vom Planeten Helotrobus. Zwei Billionen Thetanen sollen vor rund 75 Millionen Jahren von einer Wesenheit namens Xenu wegen ihres Verhaltens "tiefgefroren" und auf der Erde in den Vulkanen Hawaiis und der Kanaren abgeladen worden sein. Nach den irdischen Tod wird der (nicht-operierende) Thetan mit mächtigen Traktorstrahlen in die sogenannten Implant Stationen gezogen. Dort bekommt er ein neues Gedächtnis verpasst und wird wieder auf die Erde zurückgeschickt. Diese Implant Stationen wurden vor Millionen von Jahren von bösartigen Außerirdischen eingerichtet. Die Wesen namens Marcabianer planen die völlige Übernahme der Erde. Marcabianer sind auf der Erde übrigens leicht erkennbar, sie tragen nämlich schwarze Hornbrillen.
Zweifler am System Scientology werden als Suppressiv Personalities (SP) also Unterdrücker bezeichnet. SPs gelten aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur als durch und durch böse und können deshalb das scientologische System nicht verstehen.
Wem das alles wie versponnene Science Fantasy mit ausgeprägten Machtphantasien vorkommt, dem gebe ich recht. Hubbard konnte aber seinen albernen "Mythos" als routinierter Autor einigermaßen plausibel erscheinen lassen. Was sich in der Zusammenfassung wie ein Kapitel aus "Per Anhalter durch die Galaxis" liest, ist im Original sorgfältig pseudo-wissenschaftlich verbrämt. Vor allem fiel er nicht mit der Tür ins Haus - Anfänger werden von diesem geballten Mystizismus erst einmal verschont.
Trotzt all dem - und trotz einiger Anbiederungsversuche wie der scientology-eigenen Autoren-Nachwuchs-Intiative "Science Fiction Writers for the Future" - hat die SF-Szene wenig mit Scientology am Hut, schon gar nicht ist sie unterwandert.
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"Die Scientologen stecken schon überall mit drin"
 
Prominente wie Tom Cruise, Pricilla Presley, John Travolta, Chick Chorea, Kirstie Alley oder Julia Migenes, wie auch der Wiener Maler Helnwein sind Scientologen und werben offen für ihre "Religionsgemeinschaft". Es gelang Scientology nicht nur in den USA bedeutende Wirtschaftsunternehmen zu untergraben und zu besetzen, scientologische Immobilienhaie machen Mietern und Wohnungskäufern das Leben schwer. Sind diese bekannten Tatsachen nur die Spitze des Eisbergs, wie viele Scientology-Kritiker meinen?
In vielen Presseartikeln der frühen 1990er riss in dieser Hinsicht eine gewisse Hysterie ein - die sich bei vielen es an sich gut meinenden "Sektenaufklärern" zum glatten Verfolgungswahn steigerte. Es mag z. B. durchaus sein, dass einer der Gründer des Zirkus Roncalli mit den Scientologen sympathisierte - das Roncalli ein Anagramm auf "I call Ron" sein soll, und das dort scientology-kompatibles Gedankengut verbreitet wird, klingt wenig überzeugend. Filme wie die erfolgreiche "Kuck mal wer da spricht"-Trilogie wurden zwar von Scientologen produziert, scientologisches Gedankengut findet man in ihnen nur bei großzügiger (Über-)Interpretation.
Die politischen Parteien reagierten auf die aufdringliche Lobbyarbeit und die Unterwanderung einiger Ortverbände mit Unvereinbarkeitsbeschlüssen.
 
  • Zwei Umstände fördern das Gefühl, der "Krake" sei überall: Wenn die Scientologen auch über keine paranormalen Fähigkeiten verfügen, auf Psycho-Tricks aller Art verstehen sie sich vortrefflich . Durch Bluff, Psychoterror und gezielt gestreute Gerüchte stellt sich sie "Org" als größer und mächtiger da, als sie es wirklich ist. Außerdem ist die "Lehre" der Scientology wie erwähnt überall zusammengesucht. So ist es kein Wunder, wenn z. B. Angehörige eine Elterninitiative in "Star Trek" und "Star Wars" scientologischen Gedankengut zu entdecken glaubten. Sie merkten nicht, dass es sich um SF-Gemeinplätze handelte. Der Argwohn gegen Unternehmen mit ungewöhnlichen Management-Methoden, gegen bestimmte Formen der Psychotherapie, gegen esoterisch angehauchte Fernsehsendungen, Filme und Bücher speiste und speist sich aus ähnlichen Quellen. Nicht alles, was an irgendwie an Scientology erinnert, ist auch scientologisch!
    • Hinweise, die auf eine scientologische Unterwanderung einer Firma hinweisen können :
    • die Verwendung sogenannter OCA-,P-,U-, oder ARC-Tests als Psychotests oder Personalfragebögen. 
    • Überhandnehmen von Statistiken - auch für banale und eher persönliche Dinge. Überhandnehmen von Aktennotizen, Gesprächsprotokollen und Memos.
    • pedantische Kontrolle aller Arbeitsabläufe. 
    • Schreibtische werden streng normiert (drei Körbchen, keine persönlichen Habseligkeiten, genaue Vorschriften, wo was warum zu stehen hat usw.). 
    • Begriffe werden in unüblicher Weise gebraucht: „Studium" im Sinne von Fortbildung, der unübliche Gebrauch des Wortes „Technologie" im Sinne von Methode oder der häufige Gebrauch der Begriffe „Handhabung" und „Auditing" (nicht zu verwechseln mit dem gängigen „Audit").

    •  

       

      Das eindeutigste Symptom dürften Copyright-Vermerke wie RTC, WISE, ABEL oder IAS auf Schulungsunterlagen sein, denn das Religious Technologie Center in Clearwater, Florida, USA, verzichtet ungern auf Lizenzerträge.

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    "Die anti-deutsche Kampanie in den USA zeigt, wie groß der Einfluss der Scientologen in den USA schon ist."
    1993 erschien weltweit eine Broschüre mit dem Titel "Hass und Propaganda", in der die Kritik an Scientology seitens deutscher Behörden und Medien mit den Hetzparolen der Nazis gegen Juden gleichsetzte. In den folgenden Jahren erschienen immer wieder großformatige Anzeigen in überregionalen US-Zeitschriften, in denen die Scientology Church die deutsche Ablehnung angreift und sich wiederum mit den wegen ihres Glaubens in Deutschland verfolgten Juden vergleicht. Ganz abgesehen davon, dass die Juden im "3. Reich" wegen ihrer "rassischen" Abstammung verfolgt und ermordet wurden, ist es gegenüber den Opfern infam, den Holocaust mit der Situation der Scientologen, die weder verhaftet, noch verschleppt noch gar ermordet werden, zu vergleichen.

    Mache deutsche Scientology-Gegner reagierten nicht nur - verständlicherweise - bestürzt auf diese Kampanie, sie plagte ein Verdacht: Wieso konnten solche Anzeigen sogar in liberalen US-Zeitungen erscheinen? Warum kritisierten Kommentatoren in den US-Medien die Verbotsbestrebungen gegen Scientology in Deutschland? Und warum in aller Welt gelang es der Scientology Church 1994 nach langen Auseinandersetzungen mit den Steuerbehörden in der USA als Kirche anerkannt zu werden?
    Ist der Einfluss der Scientologen auf die USA schon so groß?

    Er ist es nicht! Nach wie vor warnen die US-Medien - zum Teil die selben, die auch die scientologischen Anzeigen gedruckt haben - und Aktionsgruppen vor "destructive cults", zu denen ganz eindeutig auch Scientology gerechnet wird. Gegen Gesetzesverstöße, die von Scientology-Organisationen verübt werden, gehen die US-Behörden rigoros vor - manchmal sogar konsequenter als ihre deutschen Kollegen.

    Der scheinbare Widerspruch liegt daran, dass das Recht auf freie Religionsausübung eines der elementaren Grundrechte, wenn nicht sogar das Grundrecht, der USA ist. Religionsfreiheit wird sehr ernst genommen. In den USA ist es für eine Glaubensgemeinschaft relativ einfach als Kirche anerkannt zu werden - man denke z. B. an die "First Church of Satan" - in Deutschland ist es dagegen extrem schwierig, den Status einer religiösen Körperschaft öffentlichen Rechts - das entspricht in etwa dem US-Begriff "Church" - zu erlangen. 
    Dass die Scientologen in für ihren "Church"-Status fast vier Jahrzehnte Dauerrechtsstreit gebraucht haben - und in einigen US-Staaten dieser Status inzwischen angefochten wurde - spricht nicht eben für sie. Die religiöse Toleranz der erwähnten liberalen Zeitungen geht so weit, dass sie Kultgemeinschaften gegen Übergriffe des Staats oder der Großkirchen in Schutz nehmen, die sie vielleicht in der selben Ausgabe wegen ihrer absurden Glaubenslehre angegriffen haben. Religionsfreiheit ist eben ein "primary value". Außerdem sind in den USA die Behörden zur Neutralität in religiösen Dingen verpflichtet. Vom Finanzamt eingezogene "Kirchensteuern" stoßen bei US-Bürgern, die von dieser deutschen Praxis erfahren, auf Befremden.
    Zur Ergänzung: Aus dem im Usenet veröffentlichten FAQ "Scientology in Deutschland" ist zu erfahren, dass ca. 30 religiöse Minderheiten in der Bundesrepublik den Status einer Körperschaft Öffentlichen Rechts erreicht haben sollen. Scientology gehört nicht dazu und hat auch keine Aussicht, diesen Status zu erreichen. Voraussetzungen sind (lt. gleicher Quelle): Die Gruppe muss für eine stattliche Anzahl von Jahren existieren (ca. 30), eine ebenfalls stattliche Anzahl von Mitgliedern aufweisen (ca. 1/1000 der Gesamtbevölkerung) und weiterhin verfassungskonform sein.
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    "Die Scientology-Opfer verwandeln sich in dauerlächelnde, kontaktunfähige Zombies"
     
    Diese Ansicht ist falsch und hilft den Opfern überhaupt nicht.
    Obwohl Kritiker und Betroffene das Auditing-Verfahren in Verbindung mit der Redefinition der Sprache oft als "Gehirnwäsche" bezeichnen (ein Begriff, über den man sich streiten kann), bleiben Menschen, die dieser Pseudotherapie verfallen sind, immer noch Menschen - sie werden keine lebenden Roboter, die kein eigenes Ich mehr haben. Ihnen wurde sozusagen eine fixe Idee eingeredet - sie werden aber keine "anderen Menschen" und fallen im Alltag normalerweise nicht durch ihr Verhalten auf.

    Gerade, weil Scientologen von ihrer "Org" nahegelegt wird, den Kontakt mit Kritikern ihrer Weltanschauung zu meiden, ist es wichtig, mit ihnen den Dialog zu suchen. Nur wenn sie merken, dass sie ernst genommen werden, dass ihre Meinung von Andersdenkenden respektiert wird, dann besteht die Möglichkeit, ihnen ihre Abhängigkeit klar zu machen. Wer ihnen dagegen überheblich, dialogunwillig oder gar feindselig begegnet, bestätigt ungewollt ein wichtiges Feindbild der Scientologen: Wer Scientology ablehnt, ist "antisozial", "unterdrückerisch" und "schafft für andere Schwierigkeiten", ist im Jargon eine "Suppressive Person" (SP).
    Wer also merkt, dass einer seiner Bekannten Scientologe ist, soll trotzdem im Gespräch bleiben (sich aber nicht auf "Bekehrungsversuche" einlassen). Im Prinzip gilt das für alle "destruktiven Kulte".

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    "Scientology ist Teil der Esoterik-Szene"
     
    Nicht wenige - vor allem streng christliche - Zeitgenossen verbinden die seit immerhin fast 40 Jahren blühende Esoterik-Szene ganz gerne mit dem "Sektenunwesen". Obwohl es diesen "Experten" wohl eher darum geht, den "spirituellen Supermarkt" in ein schlechtes Licht zu rücken, stellt sich die Frage, inwiefern Scientology eine "Esoterik-Vereinigung" ist.

    In der Tat ist Scientology ein klassisches esoterisches System. Es gibt Geheimnisse, in die die Adepten Stufe für Stufe eingeweiht werden, es gibt einen Weg zur Selbsterlösung, selbst der Schulungsweg weißt Ähnlichkeit mit klassischen esoterischen Vereinigungen auf. Dennoch weigern sich die meisten Esoteriker vehement dagegen, die Scientologen zu ihnen zu rechen.

    Die Lehren der Scientologen sind kühl, pseudorational, auf Effizienz getrimmt, lassen für spontane Gefühle und Intuition keinen Raum - sie sind, mit einem Wort, unspirituell. Vor allem sind die "spirituellen" Elemente in L. Rons Gedankengebäude - wie die religiösen - ganz offensichtlich nachträglich angebrachte Verzierungen. Ganz wesentlich trägt das Verhalten der "Scienties" zu ihrem schlechten Ruf selbst bei sonst gnadenlos toleranten Esoterikern bei: ihr ausgeprägtes Streben nach Geld, Macht, Mitgliederzuwachs, ihre Neigung, Kritiker massiv anzugreifen - all das macht es schwer, die "El-Rons" trotz mancher Anbiederungsversuche als spirituelle Gruppierung ernst zu nehmen.

    ***
    Eine persönliche Anmerkung zum Schluss:
    Ich lehne Scientology nicht wegen ihrer zum Teil absurden Ideologie ab. Ich kenne zahlreiche etablierte und anerkannte Religionsgemeinschaften, die ein ähnlich wirreres Weltbild haben. (Könnte die Lehre Hubbards auch aus Douglas Adams "Per Anhalter durch die Galaxis" stammen, so erinnert mich die katholische Dogmatik stellenweise stark an Terry Prachets "Scheibenwelt" ... deshalb verlange ich noch lange nicht das Verbot des Katholizismus.)
    Nicht in erster Line die Lehre entscheidet, wie eine Religionsgemeinschaft zu bewerten ist, sondern wie sie in der Praxis umgesetzt wird. Die "Ethik" der Scientologen ist nicht dadurch verwerflich, dass man die markigen Sprüche Hubbards ("lasst ihr Blut auf das Straßenpflaster spritzen" etc.) wörtlich nimmt, sondern durch die Art und Weise, wie die Ober-Scientologen diese Aussagen verwirklichen. Durch Wirtschaftskriminalität, Freiheitsberaubung und Psychoterror zum Beispiel.
    Scientology bietet um einen zu hohen Preis - in Geld und in persönlicher Freiheit - etwas an, das es anderswo besser und billiger gibt - oft sogar umsonst!
    Martin Marheinecke, Oktober 2000
    Überarbeitete, stark erweiterte und aktualisierte Fassung eines Artikels, der 1993 im WARP 38 der UFSTF erschien.
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