Aleister Crowley - ein mieser Magier?
 
Aleister Crowley
Aleister Crowley  (um 1915)
Der Gipfelstürmer 
Nach einem Ausspruch, der vom Star-Bergsteiger Reinhold Messner stammen soll, zeigt jeder Mensch, egal wie gut er sich sonst auch verstellen mag, bei einer extremen Bergtour unweigerlich sein wahres Gesicht. Aleister Crowley, enfant terrible der modernen Magie, war ein erfolgreicher Bergsteiger - welches wahre Gesicht offenbarte er in extremen Höhen?

Einerseits ein recht vorteilhaftes. Namhafte Alpinisten bestätigten, dass er ein sehr fähiger, mutiger und unorthodoxer Bergsteiger war. Seine sportlichen Leistungen sind noch heute beeindruckend. Ab 1894 bestieg er fast alle bekannten Alpengipfel, 1895 erzwang er unter Anderem den Eiger im Alleingang. 1899 erklomm er nach Aussage von Tom George Langstaff, dem späteren Präsidenten des „Alpine Club", die schwierige rechte Seite des Eisfeldes am Mer de Glace im Alleingang „als sei es ein Spaziergang" - eine Route, die bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts nicht mehr begangen wurde. 1900 brach er zusammen mit Oscar Eckenstein am Ixtaccihuatl, Monte Colima und Popocatepetl in Mexiko mehrere Rekorde. 1902 nahm er an dem von Eckenstein geleiteten ersten Versuch teil, den 8611 m hohen K 2 oder Chogo Ri (auch Mount Godwin Austen genannt) im Karakorum, den zweihöchsten Berg der Erde, zu besteigen. Sie kamen auf 7200 m, eine lange unübertroffene Leistung. Mit enormer Willenskraft überwand er die schwierigsten Hindernisse und persönliche Schwächen - er litt an Asthma.

Aber er zeigte auch abstoßende, geradezu ekelerregende Züge. Seine Bergkameraden bescheinigten ihm nämlich auch, dass er leichtsinnig, impulsiv, rücksichtslos, überheblich und oft unkameradschaftlich war und dass er mitunter die Nerven auf dramatische Weise verlor - er bedrohte während der K 2-Expedition einen Kameraden ohne ersichtlichen Grund mit der Pistole.

1905 leitete Crowley eine Expedition zum 8445 m hohen Kangchenjunga, dem „Mörderberg" im südlichen Himalaja, und kam auf immerhin 6900 m. Als Expeditionsleiter gab er dennoch ein klägliches Bild ab, seinen Mitstreitern gegenüber war er arrogant, den einheimischen Trägern gegenüber rücksichtslos und ausbeuterisch. Für einen Unfall am Kangchenjunga, bei dem der Schweizer Alexis Pache und drei Träger umkamen, war Crowley zwar nicht verantwortlich, aber er kümmerte sich nicht um die Opfer. Schlimmer noch, er beschuldigte seine Expeditionskameraden in einem Zeitungsartikel auf übelste Weise und schreckte nicht einmal davor zurück, die Opfer zu verhöhnen. Für die alpinistische Welt war er fortan erledigt.

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Crowley - der verruchteste Mann der Welt? 
Um Crowley rankt sich eine „schwarze" Legende. Schon zu Lebzeiten bezeichneten ihn Boulevardblätter gerne als den verruchtesten Mann der Welt. Immer noch halten selbst Sektenexperten ihn für den Protagonisten des modernen Satanismus. In christlich-fundamentalistischen Kreisen glaubt man bis heute, er hätte Menschenopfer und rituellen Vergewaltigungen praktiziert, und für viele eifrige Verschwörungstheoretiker ist er Vorreiter jener satanistischen Untergrundsekten, denen angeblich jedes Jahr Tausende Kinder buchstäblich zum Opfer fallen.

Was sein Strafregister angeht, war Crowley nur ein Kleinkrimineller. Ein einziges Mal wurde er wegen des Diebstahls einiger Privatbriefe zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Selbst die zahlreichen nicht gerichtsnotorisch gewordenen Übeltaten des angeblichen Monstrums waren zwar unappetitlich, aber wenig spektakulär: Man kann ihm Unterschlagungen, Veruntreuungen, kleinere Diebstähle und Hochstapelei nachsagen, ferner etliche Fälle von sexueller Nötigung und Körperverletzung. Aber nichts - aber auch gar nichts! - deutet darauf hin, dass Crowley jemals jene mörderischen Riten praktiziert hätte, die er in einigen seiner Bücher in glühenden Worten beschrieb. Für seine Menschenopfer hätte er beispielsweise zahlreiche perfekte Morde begehen müssen, mit Opfern, die niemand vermisste und Leichen, die nie gefunden wurden. Oft wurde er wegen angeblicher Greuel angezeigt, nie kam es in solchen Fällen auch nur zur Anklage. Es ist übrigens äußerst unwahrscheinlich, dass er Gönner bei der Staatsanwaltschaft hatte, die mal eben eine Anklage unter den Teppich hätten kehren können. Immerhin waren Crowleys bekannt gewordenen sexualmagischen Versuche und Rituale derart pervers und unappetitlich, dass der Verdacht, er würde Menschen opfern, für seine Gegner entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch denkbar erschien.

Als Satanisten im landläufiger Sinne - Satanismus als umgekehrtes Christentum - kann man Crowley schwerlich ansehen, weil die okkulten Kräfte, die er erwecken wollte, nicht mit dem Teufel der Bibel identifiziert werden, von dem er in Magick in Theory and Practic e schlicht und einfach feststellte, er existiere nicht. Außerdem bevorzugte er - glaubt man seinen Schriften - den traditionellen mystischen Weg der Ich-Überwindung, während moderne Satanisten vom Schlage eines La Vey unter allen Umständen an ihrem Ego festhalten. Ob man Aleister Crowley dennoch als Satanisten bezeichnen will ist eine Frage der Definition.
Gemessen an traditionell-bürgerlichen Werten und Moralvorstellungen kann einem Crowleys Lehre und Leben in der Tat teuflisch vorkommen. Sein Credo „Tu was du willst, soll sein das ganze Gesetz" wird gern als die Aufforderung, alle Wünsche ungehemmt auszuleben und rücksichtslos gegenüber den Schwachen zu sein, missverstanden; ein angesichts Crowleys Lebensstil nicht ganz abwegiger Fehlschluss. Indem er sich selbst als To Mega Therion , das Große Tier 666 aus der Apokalypse des Johannes, anreden ließ und sich für den Herren des Neuen Äons hielt, leistete er seinem schwefligen Image absichtlich Vorschub. Kein Wunder ist es, dass sich moderne Satanisten gerne an Crowleys verbalem Radikalismus berauschen und sich Teile seiner oft in sich widersprüchlichen Lehre aneignen.

Auch als „Sektenführer" war er gegenüber anderen geradezu ein Waisenknabe - und zwar nicht etwa weil es ihm an Ambitionen mangelte. Im „Golden Dawn" gelang es ihm nicht, sich als Führungsperson zu etablieren (statt dessen ruinierte er den Orden), und der von ihm gegründete „Ordo Argentei Astri" (A. A.) wies keine straffe Organisation auf.
Vom sektenkundlichen Standpunkt aus gesehen ist seine Rolle im „Ordo Templi Orientis" (O.T.O.), dem Crowley 1912 beitrat und dessen Großmeister er 1922 wurde, interessanter. Crowley baute die schon vor ihm vorhandene sexualmagische Komponente des Ordens kräftig aus. Vor allem brachte Crowley seine thelemitische Philosophie und seine Sorte Magie - er bevorzugte die Schreibweise Magick - ein. Durch Magick, zu der auch psychologische Mittel gehören, sollten die O.T.O.-Adepten sich selbst, die Elemente und ihre Mitmenschen beherrschen können. Das thelemitische Gesetz, das an sich jedem Menschen freie Selbstbestimmung gibt, interpretierte er so um, dass im System Crowley die breite Masse machtlos sein soll, Sklaven jener, die ihren Wahren Willen erkannt haben. An oberster Stelle stand natürlich Crowley persönlich. Seinen Anordnungen, waren sie noch so unsinnig, musste (theoretisch) unbedingt Folge geleistet werden. Allerdings war der O.T.O. viel zu locker organisiert, dass das in der Praxis für die Mitglieder Konsequenzen gehabt hätte. Schwierigkeiten, gegebenenfalls einfach auszusteigen, scheint es nicht gegeben zu haben.

Anders sah das in Crowleys „Abtei Thelema" in Cefalu auf Sizilien aus. Ihr gab er ein geradezu „klassisches" Psychosekten-Programm. In dieser Gemeinschaft war jeder verpflichtet, ein „magical record" zu führen, ein Tagebuch, das Crowley zur Begutachtung vorgelegt werden musste. Zeitungslesen war verboten und die Außenkontakte auf ein Minimum reduziert. Die Neophyten (1. Initiationsgrad) durften das Wort „Ich" nicht gebrauchen. Bei Verletzung dieser Regel mussten sie sich mit einem Rasiermesser Schnitte in den Unterarm zufügen. Crowley war aber offenbar viel zu sehr impulsiver Genussmensch, um eine straffe Mini-Diktatur durchzuziehen. Betty Loveday warf ihr Rasiermesser zum Beispiel einfach fort, ohne dass das Konsequenzen gehabt hätte, und Symonds zufolge wurde das theoretisch so harte Ordensprogramm nie konsequent durchgeführt. Wer die Nase voll hatte, und das waren etliche, reiste ohne Umstände ab. Überhaupt muss Cefalu nach den Augenzeugenberichten mehr an eine chaotische sex- und drogenselige Hippie-Landkommune als an ein düsteres Sektenkloster erinnert haben.

Interessanterweise entwarf Crowley nach seiner Ausweisung aus Italien ein neues „Colegium ad Spiritum Sanctum" als Kern einer autokratisch geführten und umgehemmt auf finanziellen Gewinn ausgerichteten Kultgemeinschaft - nur geschäftstüchtige Mitglieder sollten aufgenommen werden, Kapitalisten, die man „bekehrt" hatte, sollten als Zahlvieh die Finanzierung besorgen - die geradezu verblüffend an die spätere Scientology-Organisation erinnert. Kein Zufall, denn Scientology-Gründer L. Ron Hubbard gehörte dem O.T.O. an und sah sich bei Crowley vieles ab.

Glaubt man einigen Autoren war Crowley ein Vordenker des Faschismus, ungeachtet der Schwierigkeiten, die er mit dem real existierenden Faschismus in Mussolinis Italien hatte. In der Tat nahm sich der 1915 gegründete Thule-Orden auch den O.T.O. zum Vorbild. Aus dem politischen Arm, der Thule-Gesellschaft, ging die NSDAP hervor, viele spätere NS-Größen waren Thule-Mitglieder. Mit Crowleys Lehre hat das jedoch nur am Rande zu tun, trotz ihres unverkennbar elitär-diktatorischen Charakters.
Die Verbindung zwischen Crowley und dem Nationalsozialismus bestand in Wirklichkeit vor allem in der Person einer schon alten Dame, Martha Künzel. Frau Künzel war eine Freundin von Madame Blavatsky gewesen, war prominente Vertreterin des ultrarechten völkischen Okkultismus - und von Crowleys Liber al vel Legis begeistert. Sie war der Ansicht, dass sowohl Crowley wie Hitler auf das gleiche Ziel, eine neue, auf den Wahren Willen gegründete Ordnung, hinarbeiteten. Sie schickte Hitler 1925 ein Exemplar des vor ihr ins Deutsche übersetzte Liber AL . In ihren Augen war Crowley der Prophet des Nationalsozialismus, Hitler selbst ein Thelemit, durch den das deutsche Volk seinen (dämonischen) Willen Ausdruck geben konnte. Sie behauptete gar, Hitler sei ihr magischer Sohn. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass sie je zu Hitler engeren Kontakt hatte, der völkische Esoteriker nachweislich bestenfalls als nützliche Idioten betrachtete und es bestimmt nicht nötig hatte, Crowley als Lehrmeister in Sachen Tu-was-du-willst in Anspruch zu nehmen. Immerhin hatte Frau Küntzels Wort in der völkisch-okkultistischen Szene einiges Gewicht, und da vor allem Himmlers SS völkisch-okkultistisch beeinflusst war, enthält die Legende vom Nazi-Vordenker Crowley vielleicht doch ein Körnchen Wahrheit. Was Crowley 1925 von den Nazis hielt ist mir nicht bekannt. Nachdem sein O.T.O. 1935 in Deutschland verboten worden und Crowleys Gönner Karl Johannes Germer ( Bruder Saturnus ) im KZ verschwunden war, hegte er offensichtlich keinerlei NS-Sympathien mehr.

Crowley war also schwerlich der Kannibale, Menschenopferer und düstere Verführer, als den ihn britische Skandalblätter wie John Bull und Sunday Express i n den 20er und 30er Jahren hinstellten. Als Hintermann satanischer Weltverschwörungen und verbrecherischer politischer Systeme kann man sich den realen Crowley schwerlich vorstellen.
Sein übler Ruf kam aber nicht von ungefähr: Er war ein hemmungsloser Sexmaniac, der vor allem seine Lebensgefährten beiderlei Geschlechts reihenweise in schwere Psychosen trieb. Er war zweimal verheiratet, beide Ehefrauen waren nach der Ehe reif für die geschlossene Psychiatrie. Fünf Geliebte begingen Selbstmord. Er war ein Kameradenschwein, ein Intrigant und persönlich völlig rücksichtslos.
Interessanterweise hatte er seinen üblen Ruf mutwillig miterschaffen.

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Der Selbstdarsteller
Zeit seines Lebens stellte er sich überlebensgroß da, und die meisten Menschen kauften es ihm ab, denn Crowley war ein begabter Hochstapler.
Ein Beispiel seiner Methode: Crowley besaß in Schottland ein Anwesen mit etwas Land, Boleskin bei Foyes am Loch Ness. Nun bezeichnet man nach alter schottischer Gewohnheit jeden Gutsherrn als „laird", und so konnte sich Crowley mit Fug und Recht „Laird of Boleskin and Abertaff" nennen. Außerhalb Schottlands ist das kaum bekannt, so dass „laird" meist als hoher Adelstitel, gleichbedeutend mit „Lord", verstanden wurde. Ein phantasievoll mit einigen Wappen verzierter Briefkopf half dem trügerischen Eindruck wirksam nach, ohne das Crowley sich durch Führen eines falschen Titels strafbar gemacht hätte. Bei praktisch allen seinen wohlklingenden Titeln, Ehren und Erfolgen führte er die Leute auf ähnliche Weise aufs Glatteis.

Er schrieb gerne und viel über sich selbst, rühmte sich dabei seiner schonungslosen Ehrlichkeit, was manchmal sogar stimmte, da Diskretion und Scham für ihn Fremdwörter waren. Wenn keine überprüfbaren Tatsachen oder gar strafrechtliche Konsequenzen dem entgegenstanden, flunkerte Edward Alexander Crowley bei passender Gelegenheit zwecks Selbstüberhöhung munter drauflos. Er behauptete etwa keltisch-adliger Abstammung zu sein (nachweisbar ist so etwa kaum) und half dem Eindruck mit seinem zu „Aleister" keltisierten zweiten Vornamen nach. (Korrekt gälisch wäre: „Alistair".) Seinen Angaben zufolge war er die Reinkarnation von Elphas Lévi, Verfasser bekannter Werke über Magie und Kabbala. Das Lévi erst sieben Monate vor Crowley Geburt starb, störte ihn dabei ebenso wenig, wie dass die Details aus Lévis Leben, an die er sich „erinnerte", in dessen Autobiographie standen. Eine weitere frühere Inkarnation Crowleys war Guiseppe Balsamo, alias Graf Cagliostro; allerdings weicht hier Crowleys magische Erinnerung in geradezu peinlicher Weise von den historisch verbürgten Tatsachen ab. Gestört hat es „das Tier" nicht, er vertrat die bemerkenswerte Ansicht „(...) dass jede Aussage wahr und unwahr ist, je nachdem, wie weit man auf dem Pfad des Wissens fortgeschritten ist (...)".
Wenn es aber darum ging, Gegner oder Ex-Freunde fertig zu machen, log er ohne jede Rücksicht das sich die Balken bogen. Praktisch jeden, mit dem er Streit hatte, beschuldigte er, ihn bestohlen oder betrogen zu haben. Crowley war unglaublich rachsüchtig und nachtragend.

In seiner Schriften liebte „das Tier 666" es den Leser zu schockieren, auch wenn das der Lesbarkeit und Verständlichkeit abträglich war. Die Hauptsache war der Effekt. Was die schon erwähnten Menschenopfer angeht, schrieb er z. B. in Magick in Theory and Practice : „Ein männliches Kind von vollkommener Unschuld und hoher Intelligenz ist das zufriedenstellenste und angebrachteste Opfer", und steigerte den Horroreffekt noch mit der kalkuliert missverständlichen Fußnote: „Frater Perdurabos (Crowleys M.M .) magischen Aufzeichnungen zufolge brachte er in den Jahren zwischen 1912 und 1928 dieses spezielle Opfer etwa hundertfünfzig mal dar." In The Paris Working schilderte er einen Ritus, bei dem eine Frau vergewaltigt, ermordet und zerstückelt wird, im Liber Al vel Legis schrieb er: „Opfert Tiere, kleine und große und danach ein Kind, aber nicht jetzt". Harter Stoff!
Aber nur auf den ersten Blick. Liest man Crowleys Worte im Zusammenhang, fällt einem schnell der ironisch-pompöse Ton auf. In seinen Texten ist fast nie ganz sicher, was denn nun eigentlich erst gemeint und was „nur" ein böser Witz ist. Der Verdacht, dass er sich über die Schockwirkung auf seine Leser köstlich amüsierte, drängt sich unweigerlich auf. Überhaupt stecken die Werken Crowleys voller sarkastischer Scherze. „Es zeugt von Weisheit, wenn dieses Buch nach dem ersten Lesen zerstört wird" schreibt er im Liber AL , was selbst Sektenexperte Hans-Otto Wiebus als Hinweis auf den esoterischen Charakter des Werkes missversteht - angesichts der hohen Auflage schon zu Lebzeiten Crowleys eine absurde Annahme. Es wird etwa so ernst gemeint sein wie der Vermerk in einer seiner pornographischen Schriften: „Privatdruck zur Verbreitung unter Geistlichen".

Crowley liebte es, öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen, egal wie. In der Sprache der Musikszene war er ein „Poser", jemand, der zwar durchaus etwas kann, aber sich übertrieben selbst in Szene setzt, nach dem Motto: „Mehr Schein als Sein". Und wie manch ein ruhmsüchtiger Rockmusiker handelte er lange Zeit nach dem Prinzip: „Schlechte Presse habe ich nur, wenn überhaupt nichts über mich in der Zeitung steht."
So fühlte sich durch Somerset Maughams Roman The Magican geschmeichelt, dessen übler Protagonist, ein jungfrauenopfernder Schwarzmagier, offensichtlich nach dem Vorbild Crowleys gestaltet war: „ The Magican war eine Hymne an mein Genie, wie ich sie mir besser nicht hätte träumen können."
Vor 1914 inszenierte er in seinem Atelier in London Rituale gegen Eintritt im Stil einer Theateraufführung - was ihm neben Geld öffentliche Aufmerksamkeit und die Verachtung der meisten Okkultisten einbrachte. Frauen gab er gerne den „Schlangenkuss", dass heißt er biss sie in aller Öffentlichkeit in die Hand. Mit Sicherheit zielte seine Selbstinszenierung als Großes Tier 666 auch auf den maximalen Schockwert in christlich-konservativen Kreisen ab. Dass er aus seinen sexuellen Neigungen - er probierte buchstäblich alle überhaupt möglichen sexuellen Praktiken aus - kein Hehl machte, war in den prüden Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts eine unerhörte Sensation. Seine Werke stecken voller damals provokanter Thesen gegen die verklemmte Moral aus victorianischen Zeiten. Ein Vorkämpfer für die sexuelle Befreiung, als den ihn einige Crowleyaner sehen wollen, war er aber nicht - zu sehr war bei ihm Sex mit Macht verbunden, zu deutlich seine Frauenfeindlichkeit: „Frauen sollten wie Milch am Hintereingang angeliefert werden". Er gefiel sich in der Rolle des Spießerschrecks und zog damit die Bewunderung vieler unkonventioneller Geister auf sich.

Ob sein Auftreten als Propagandist für Deutschland im 1. Weltkrieg auch ein Teil seiner Selbstinszenierung als Enfant terrible war, ist nicht sicher. Er hatte 1915 in den USA wenig Geld, brauchte deshalb dringend Arbeit, und George Sylvester Viereck, Herausgeber der deutschfreundlichen Zeitschriften The Fatherland und The International , bot sie ihm. Außerdem lässt er im Vorwort von Magick in Theory and Praxis tatsächlich Sympathien für ein starkes Deutschland erkennen. Sicher ist auf alle Fälle, dass diese journalistische Tätigkeit seinem Ruf in der Heimat mehr schadeten, als alle seine schwarz- und sexualmagischen Eskapaden zusammen.

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Der Magier 
Aleister Crowley definierte in Magick in Theorie and Praxis Magie („Magick") so:
„Magick ist die Wissenschaft und Kunst, Veränderungen in Übereinstimmung mit dem Willen zu bewirken."
Magick ist eine Technik, die Natur dem eigenen Willen zu unterwerfen, indem die hinter den Erscheinungen verborgene Dinge mit Hilfe angemessener Worten und Taten, die im richtigen Bewusstseinszustand gesprochen und ausgeführt werden, gefügig gemacht werden.

Das einzig Neue daran war das „k" am Ende von „Magick", alles andere hätte sogar von einem Renaissance-Magier stammen können. (Dieses angeblich altenglische „k" steht für „kteis", altgriechisch für „Vagina".) Das Fundament von Crowleys Lehre sind die Rituale des Golden Dawn , ein wenig Yoga und etwas buddhistische und hinduistische Mystik, letztere stark theosophisch verzerrt, nebst einem bunten Sammelsurium aus allen möglichen Traditionen, von A bra Melin bis zum Z oroastrismus. Crowley ging sozusagen mit der Schere in der Hand durch die magische und mystisch-philosophische Literatur, schnitt sich aus, was funktionierte und ihm zusagte, und klebte daraus Magick zusammen.
Auch beim berühmten „Crowley-Tarot", das traditionelles Tarot und (pseudo-) Kabbala vereint, dargelegt im Buch Thot , stammt das wenigste von Crowley. Das meiste schrieb er wörtlich aus Golden Dawn -Material ab, die künstlerisch interessante Gestaltung geht fast ganz auf Frieda Harris zurück, er lieferte nur grobe Skizzen. Selbst das visionäre „Buch des Gesetzes" Liber AL vel Legis stammt offensichtlich nicht in allen Teilen von Crowley beziehungsweise der Wesenheit Aiwass.

Damit nicht genug: Crowleys Version der Kabbala hat mit der echten jüdischen Tradition nur am Rande etwa zu tun, wie auch seine Sorte Tantrismus einen indischen Tantra-Meister befremdlich erscheinen dürfte. Eigenartig mutet Crowleys Manie an, die Schreibweise magischer Begriffe gegebenenfalls abzuändern, um ihren „kabbalistischer" Zahlenwert an seine Deutung anzugleichen („Babalon", „Akrahadabra").

Crowley - ein Plagiator und Scharlatan, dessen einzige originellen Beiträge zur Magie in drastischen Schock-Formulierungen und perversen sexualmagischen Riten lagen?
Nicht ganz. Ohne eine ernorme Belesenheit und eine solide Bildung hätte er seine Bücher nicht schreiben können. Crowley wusste ohne Zweifel sehr viel über Magie, Philosophie und Psychologie - aktives Wissen, das er auch anwenden konnte. Er war außerdem einer der ersten Europäer der Yoga-Techniken beherrschte, und er war ein überaus experimentierfreudiger Magier.

Aleister Crowleys thelemitische Philosophie (längst nicht 100 % A. C.) ist sein wertvollster Beitrag. Was er über den „wahren Willen" schrieb, zeugt von echter, bei ihm ungewohnter Weisheit. Das „Tu was Du willst" ist eben keine Aufforderung, alles zu tun, wozu man gerade Lust hat. Es ist vielmehr eine Anweisung an den Menschen, seinen wahren Willen zu suchen, den Punkt, in dem sein Handeln deckungsgleich ist mit seiner inneren Überzeugung und seinen tiefsten Bedürfnissen. Wenn wir uns in Verstrickungen begeben, die nicht unseren innersten Wünschen, sondern niederen Trieben, dem Lustprinzip oder Rachegelüsten folgen, laufen wir Gefahr, uns selbst zu verlieren. (Es entbehrt nicht der Ironie, dass ausgerechnet Crowleys Lebenspraxis diese Gefahr höchst plastisch illustriert.) Wer seinen wahren Willen kennt, ist identisch mit sich selber und gleichzeitig identisch ist mit einer Welt, von der er sich nicht mehr als „Unterschiedenes" begreift.
Dieses Ideal kommt der jungschen Individuiertheit sehr nahe, in der alle Teilpersönlichkeiten des Menschen zu einer organischen und widerspruchsfreien Ganzheit werden.

Funktionierte sein Magiesystem in der Praxis? Viele, auch eher skeptische, Zeitgenossen gewannen den Eindruck „das Tier" hätte wirklich magische Kräfte. Es gibt unzählige Anekdoten über unerklärliche Phänomene in der Gegenwart des Magus. Man erzählte sich, dass, wenn er das Café Royal betrat, der ganze Raum verstummte, und niemand mehr zu sprechen wagte, bis der Dämon Crowley sich gesetzt hatte. Obwohl er ab seinen mittleren Jahren alles andere als attraktiv war und sich sein skandalöses Verhalten gegenüber Frauen allgemein herumgesprochen hatte, war er ein überaus erfolgreicher Verführer. Erstaunlich schien auch sein Talent, Misstrauen zu zerstreuen und Anhänger zu gewinnen, beziehungsweise Menschen von ihm abhängig zu machen. 
Der Einwand „keine Spur von Magie, alles nur psychologische Tricks" greift nicht, denn Magie ist immer auch Psychologie. Konsequenterweise nannte Crowley sich frei von jeder Bescheidenheit „der größte lebende Psychologe". Er hatte sich in Freunds Psychoanalyse und Jungs Psychologie des Unbewussten gründlich eingelesen, zitierte sie auch gerne (ohne Quellenangabe, versteht sich), und verstand sich auf Hypnose und andere Suggestionstechniken.
Betrachtet man sein erstaunliches Leben, so fallen die vielen sinnvollen Zufälle auf. Anders ausgedrückt: der Mann hatte auffallend oft ein Mordsglück, ohne die vielen Glücksfälle wäre er sicherlich schon sehr viel eher und sehr viel tiefer gefallen. Das beweist natürlich nichts, alles ist zwanglos als Zufall erklärbar. Andererseits läuft Magick wie jede echte Magie auf eine Kontrolle der Wechselfälle des Lebens hinaus und nicht etwa auf den Versuch, Naturgesetze aufzuheben.

Der Versuch, Magie nach seinen Büchern zu erlernen, wird trotzdem in aller Regel vergeblich sein. Das liegt nicht nur daran, dass sie so wirr und reißerisch geschrieben sind, sondern auch daran, dass Crowley bestimmte entscheidende Sachverhalte einfach verschweigt. Eine übrigens gängige Methode magischer Autoren, ihre Jünger in Abhängigkeit zu halten. Wie Jens Scholz es in seiner „Einführung in die Magie" formulierte, läuft es darauf hinaus, ein Auto ohne Zündschlüssel kaufen, so dass man jedes Mal, wenn man losfahren will, erst den „Meister mit dem Schlüssel" rufen muss. Die Folge für heutige Magier: Magick kann kaum nachvollzogen werden. Klappt es aber doch, weiß der Magieausübende nicht genau, was er da wirklich tut. Das ist sehr riskant, Besessenheit und Psychosen drohen. Es fällt auf, wie viele von Crowleys Anhängern buchstäblich wahnsinnig wurden.
Auf jedem Magie-Buch Crowleys müsste eigentlich der Warnhinweis stehen: „Magick gefährdet Ihre geistige Gesundheit".

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Der Magus und das liebe Geld 
Crowley hatte ab etwa 1910 häufig Geldsorgen, die ab 1923 dramatische Formen annahmen, und starb völlig verarmt.
An sich überrascht das, denn schon früh hatte er von seinem Vater 17.000 Pfund geerbt, was bei damaliger Kaufkraft ein ansehnliches Vermögen war. (Ein einfacher Büroangestellter verdiente um 1900 rund 20 Pfund im Monat.) Seine Mutter hinterließ ihm 4000 Pfund, die in einem Fond angelegt wurden, dessen Zinserträge je zu Hälfte an ihn und seine Tochter Lola gingen. Außerdem erbte er 1918 von drei offenbar kurz hintereinander verstorbenen Tanten je 1000 Pfund.

Die Schreibwut des „Tieres" war legendär. Obwohl er zu Lebzeiten nie einen wirklichen Bestseller hatte, müssen ihm seine zahlreichen Bücher einiges eingebracht haben - auch wenn viele seiner Werke zunächst im Privatdruck auf eigene Kosten erschienen, womit ihm allerdings auch der Löwenanteil des meist happigen Ladenpreises zufiel. Seine Romane verkauften sich gut, die okkultistischen Werke anfangs nicht, dafür entwickelten sie sich allesamt zu Longsellern, selbst seine Porno-Poesie fand viele Liebhaber.

Warum hatte er dennoch Geldprobleme? Zum einen sicherlich wegen seines aufwendigen Lebensstils - weite Reisen, aufwendige Wohnungen, extravagante Kleidung, exotische Delikatessen, seltene Bücher, teure Alkoholika usw.. Selbst als es ihm schlecht ging, lebte er weiterhin auf möglichst großem Fuß. Außerdem „brauchte" der Sexbesessene zahllose Prostituierte und Strichjungen, auch für sexualmagische Rituale.
Am meisten kostete ihn vermutlich seine Drogensucht. Von Jugend an experimentierte er mit Drogen - Haschisch, Peyote, Opium, Kokain usw. - und konnte es anscheinend dank seiner guten Körperbeherrschung und Willensstärke lange Zeit vermeiden abhängig zu werden. Dann geriet er an Heroin, das er angeblich anfangs als drastisches Mittel gegen sein Asthma nahm, und wurde schwer süchtig. Trotz dramatischer Entziehungsversuche kam er nie von der Nadel weg. Laut Symonds stieg seine Tagesdosis gegen Ende seines Lebens von zwei oder drei Grain auf elf Grain (ein Grain sind etwa 65 Milligramm). Für den „Normaljunkie" wäre so eine gewaltige Dosis der „goldene Schuss". Selbst wenn diese Angaben stark übertrieben sind, was ich annehme, dürfte er sich ein Vermögen durch die Venen gejagt haben. Die Schwarzmarktpreise für harte Drogen waren schon damals exorbitant.

Was tat Crowley nun, um zu Geld zu kommen? Ehrliche Arbeit spielte dabei eine untergeordnete Rolle, obwohl er sehr wohl begriff, dass zu seinem Wahren Willen auch der nach einer vernünftigen und befriedigenden Arbeit gehörte. Andererseits stand sein sorgfältig aufgebauter schlechter Ruf und seine Streitsucht solch einer Arbeit schwer im Wege: Als Journalist schrieb er 1922 in The English Review zahlreiche Artikel, bis er sich völlig unnötig mit dem Herausgeber zerstritt. Sein erster Roman, Diary of a Drug Friend , war erfolgreich, auch dank der Kritiken - von jemandem wie James Douglas verrissen zu werden, der auch die Romane von James Joyce und Aldous Huxley eingestampft sehen wollte, ist eine Kaufempfehlung. Eine Pressekampagne - also letztlich sein übler Ruf - verhinderte dann nicht nur weitere Auflagen, sondern schadete ihm darüber hinaus, weil sich viele Buchhändler von da an weigerten, seine Bücher ins Sortiment aufzunehmen. Er entwickelte eine Reihe brauchbarer Geschäftsideen, vom Themenrestaurant „Zur Schwarzen Magie" bis zu einem Esoterik-Merchandising, wie es erst ab 1980 Wirklichkeit wurde - und realisierte sie nicht.

Crowley strenge in den frühen 30er Jahren mehrere Prozesse wegen Verleumdung an. Anfangs erfolgreich, was ihn einiges an Schadenersatz einbrachte, bei einem späteren Prozess verhielt er sich derart provozierend, dass er ihn glatt verlor. Der Selbstdarsteller war mit ihm durchgegangen. Das Schlimmste für ihn war, dass er sich mit diesen Prozessen ins Gedächtnis seiner zahlreichen Gläubiger zurückrief.

Faktisch lebe er ab etwa 1923 von den unfreiwilligen Zuwendungen seiner Freunde und Anhänger. Gerne lieh er sich von Freunden Geld, das er „vergaß" zurückzuzahlen. Kündigte ihm besagter Freund dann die Freundschaft, drehte Crowley frech den Spieß um, und behauptete, besagter Ex-Freund hätte ihn bestohlen. Bevorzugt machte er vermögende Frauen zu seinen Geliebten, um sie fallen zu lassen. Üblerweise beutete er sie nicht nur finanziell aus, fast alle Crowley-Gefährtinnen (und Gefährten) behielten psychische Störungen zurück. Wichtig für ihn waren Gönner wie Karl Germer, die offenbar von seiner „Sache" überzeugt waren, und sich diese Überzeugung einiges kosten ließen. Im Alter lebte Crowley vor allem von Geldern aus dem O.T.O. - wenn man so will, war der O.T.O. Crowleys Pensionskasse.

Magick, die nicht zuletzt angewandte Psychologie ist, spielte beim erfolgreichen Schmarotzen sicher eine wichtige Rolle. So gelang es ihm stets den Eindruck zu erwecken, vermögender zu sein, als er wirklich war. Das beruhigte viele seiner Gläubiger - so ein Mann konnte doch allenfalls kurzfristige Liquiditätsschwierigkeiten haben! 
Wie die meisten Magier in Finanznot probierte es Crowley auch mit Geldzaubern. Nun bewirken diese Rituale bekanntlich höchst selten einen Lottogewinn oder einen Schatzfund. Möglicherweise waren sie dennoch wirksam, denn die Leichtfertigkeit, mit dem selbst Menschen, denen seine mangelnde Solidität hinreichend bekannt war, Geld gaben, ist schon erstaunlich.

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Fazit 
Vom Können her war Crowley sicherlich kein mieser Magier. Aber er war kein Meister, sondern eher ein Zauberlehrling im Sinne des magiekundigen Dichters Johann Wolfgang von Goethe. Crowley überschätzte sich, war charakterlich unreif, folgte seinem Wahren Willen nur selten. Er wurde die Geister nicht mehr los, die er rief. Vielleicht sogar buchstäblich: Einiges deutet darauf hin, dass er infolge riskanter magischer Experimente besessen war. Besessen im übertragenen Sinne war er auf jeden Fall, er war nicht immer Herr seiner selbst.

Sein mutwillig aufgebauter schrecklicher Ruf nütze ihm anfangs, schadete ihm ab 1920 erheblich. Er experimentierte jahrelang ohne Probleme mit Drogen - bis die Heroinsucht ihn einholte. Er hatte im Gegensatz zu anderen Menschen, die nur ihrem Willen folgten, keines seiner ehrgeizigen Ziele erreicht: als Dichter anerkannt wurde er nicht, als Schriftsteller hatte er zu Lebzeiten keinen Bestseller, seine bergsteigerischen Leistungen wurden in der Fachliteratur lange Zeit übergangen, seine magischen Leistungen galten außerhalb der Okkultisten-Szene bestenfalls als Kuriositäten, auch zu Reichtum und Macht hatte er es nicht gebracht, vom Begründen eines neuen Äons ganz zu schweigen. Für die breite Öffentlichkeit war Aleister Crowley zu Lebzeiten der verruchteste Mann der Welt, jemand, dem man nicht unbedingt begegnen wollte. Erst lange nach seinem Tode wurden seine magischen Bücher wirklich populär.

Er war ein Magier, dem es in den letzten Jahren seines Lebens wirklich mies erging. Mitleid ist allerdings nicht angebracht, denn als Mensch war er ohne Zweifel ein unangenehmer Charakter, ein mieser Magier.

Martin Marheinecke, August 2002

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Literaturhinweise:

John Symonds: Aleister Crowley - Das Tier 666 (The Great Beast) Sphinx Verlag, Basel 1996
Die Standard-Biographie und meine Hauptquelle. Sie wird, obwohl Symonds selber Okkultist war, wegen der kritischen Darstellung von Crowleys Schwächen und Schwindeleien von anti-esoterischen Autoren gern zitiert. Dabei weiß Symnonds die magischen und philosophischen Erkenntnisse Crowleys sehr wohl zu schätzen. Die Biographie enthält viele Textproben aus Crowleys Werken, vor allem aus rituellen Texten. Ungewöhnlich für eine Biographie ist Symonds sehr britischer Humor voller kleiner ironischer Seitenhiebe (von deutschen „Sektenexperten" nicht immer verstanden).
Symonds lernte Crowley 1943 kennen und unterstützte ihn bei seiner literarischen Arbeit. Nach Crowleys Tod ging sein gesamter Nachlaß mit allen Tagebüchern und Briefen in Symonds Besitz über. Ausserdem interviewte er zahlreiche Personen aus Crowleys Umfeld.

Aleister Crowley: Das Buch des Gesetzes (Liber al vel Legis)
Deutsch-Englisch, mit Faximile des handschriftlichen Originals, Kerskou - Canbaz, 1992
Dieses Buch bildet die Grundlage Thelemas und ist eines der berühmtesten Werke der esoterischen Literatur. Nach Crowleys Angaben wurde es ihm von einer Wesenheit namens Aiwass, die sich als Bote des Horus bezeichnete, diktiert. Dieser Aufgestiegene Meister schätzte offensichtlich Rabelais und Nitzsche sehr, war unter anderem theosophisch beeinflusst und schrieb im unverkennbaren Crowley-Stil.

Aleister Crowley: Magick in Theory and Praxis,  Castle Books, New York, 1972
Dritter Band seines Hauptwerkes Magick oder Book Four . Eine Erörterung der grundlegenden Formeln und Operationen der magischen Kunst, die Crowley im Lichte der von ihm begründeten Philosophie von Thelema analysiert. Ein über weite Strecken wirres und effektheischendes Werk, dass aber einige echte Perlen thelemitischer Weisheit enthält.

Aleister Crowley: Mondkind (Moonchild) - Phänomen Verlag, 1999
Moonchild ist Crowleys bekanntester Roman. Es handelt vom Kampf der Magier gegen die sogenannten schwarzen Brüder, die das Große Werk, die Schaffung des Mondkindes, bekämpfen. Über weite Strecken ist Moonchild eine idealisierte Version Crowleys eigenen Wirkens. Weniger wegen des Stils oder des Unterhaltungswerts wegen lesenswert, als als Einblick in Crowleys Gedankenwelt.



Crowleys Lebenslauf
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